„Der Meister ist die Basis für das weitere Fortkommen“

Als Industriemeister hat Andre Uhlhorn neue und spannende Aufgaben.
Foto A. Uhlhorn

Andre Uhlhorn entschied sich nach seinem Abitur für eine Ausbildung zum Pharmakanten. Über die Oldenburgische Industrie und Handelskammer erhielt er das Weiterbildungsstipendium und konnte zwei Jahre nach Abschluss seiner Ausbildung eine Aufstiegsfortbildung zum Industriemeister Pharmazie absolvieren. Im Mai 2017 schloss er die Meisterschule erfolgreich ab und kehrte in sein Ausbildungsunternehmen zurück.

Herr Uhlhorn, nach Ihrem Abitur haben Sie eine Ausbildung zum Pharmakanten absolviert. Wie kam es zu dieser Berufswahl?
Während meiner Schulzeit habe ich mich immer sehr für das Fach Chemie begeistert. Nach meinem Abitur bewarb ich mich deshalb zunächst um Ausbildungsstellen als Chemielaborant. Bei der Stellensuche stieß ich dann auch auf andere Berufe im Chemiebereich, unter anderem den des Pharmakanten. Ich informierte mich darüber und fand die Kombination verschiedener Naturwissenschaften bei der Herstellung von Arzneimitteln sehr interessant. Schließlich bekam ich eine Ausbildungsstelle bei einem Pharmazieunternehmen in meinem Heimatort Vechta.

Wie fanden Sie die Ausbildung?

Im ersten Jahr ging es vor allem um die Grundlagen in Biologie und Chemie. Im zweiten Lehrjahr wurde es noch mal deutlich interessanter. Vor allem in Bereichen wie der Pharmatechnik und der Pharmazie war vieles Neuland für mich. Hier ging es etwa um die Wirkung von Medikamenten im Körper und um ihre Herstellung. Es ist ein rein industrieller Beruf und hat wenig mit der Arbeit in einer Apotheke zu tun. In unserem Unternehmen stellen wir bis auf ein paar Pulver und Granulate fast ausschließlich flüssige Arzneimittel her.

War das Unternehmen auf einen bestimmten pharmazeutischen Bereich spezialisiert?

Ja, auf Tierarzneimittel. Die Gegend um Vechta ist ja für den Pferdesport und die Schweinezucht bekannt. Die meisten Arzneimittel unterscheiden sich aber nur in der Konzentration beziehungsweise durch die Dosierung von der Humanmedizin, grundsätzlich sind die Einsatzgebiete gleich.

Wie ging es nach der Ausbildung beruflich für Sie weiter?

Ich wurde von meinem Ausbildungsbetrieb übernommen, wie der Großteil der Auszubildenden. Da es in der Region kein anderes Pharma- oder Chemieunternehmen gibt, das Fachkräfte ausbildet, möchte die Firma die selbst ausgebildeten Leute auch gerne halten.

Arbeiten Sie heute noch in dem Unternehmen?
Nicht noch, sondern wieder. Die Firma konnte mich nicht für den Vollzeit-Meister-Lehrgang freistellen, daher musste ich kündigen. Ich konnte aber anschließend dorthin zurückkehren.

Was gab bei Ihnen den Anstoß zur Aufstiegsfortbildung zum Industriemeister?

Die IHK wies direkt nach meiner Ausbildung in einem Brief auf das Weiterbildungsstipendium hin und teilte mir mit, dass auch ich mich darum bewerben könne. Ich habe mich näher informiert und sowohl mit Arbeitskollegen als auch meiner Ansprechpartnerin bei der IHK darüber gesprochen. In meinem ersten Anlauf 2015 kam ich noch nicht ins Programm. Beim zweiten Anlauf 2016 klappte es dann und ich konnte einen fünfmonatigen Meisterkurs in Darmstadt beginnen und die letzte Prüfung im Mai 2017 ablegen. Ohne das Weiterbildungsstipendium hätte ich den Vollzeit-Meisterkurs nicht belegen können. Ein Teilzeit-Lehrgang kam für mich nicht infrage, weil ich vermeiden wollte, dass sich der Weg bis zum Meister über mehr als zwei Jahre hinzieht.

Gehen in Ihrem Unternehmen viele frisch Ausgebildete direkt an die Meisterschule?
Das ist ein neuer Trend, in den vergangenen Jahren war das immer häufiger der Fall. Einige hatten vom Weiterbildungsstipendium erfahren und konnten diese Unterstützung nutzen, zum Teil wurde Ihnen der Meisterlehrgang auch vom Unternehmen angeboten. Die Firma unterstützt die Weiterbildung aber nur auf Teilzeitbasis.

Wie war die Zeit an der Meisterschule?

Es war ein ganz anderes Lernen als an der Berufsschule. Wir mussten viel mehr selbst entscheiden, etwa was wir während des Unterrichts mitschreiben. Es gab auch andere Inhalte wie Mitarbeiterführung, Strategien zur Problemlösung, Konfliktmanagement, BWL, Arbeits- und Umweltschutz, Recht und viele weiter Themengebiete. Aber auch im pharmazeutischen Bereich ging es viel intensiver darum, was genau im Körper passiert, wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden. Für ein halbes Jahr war das ein sehr straffes Programm, zumal man in dem Vollzeitprogramm weniger Puffer zwischen den Prüfungen hat als in der Teilzeit-Weiterbildung.

Wie konnten Sie das Pensum bewältigen?

Die Meisterschule hat gute Tipps zu Lernstrategien gegeben und vermittelt, wie man sich den Themen nähern kann. Wir hatten auch gut funktionierende, kleine Lerngruppen. Hilfreich war, dass die Berufsschulzeit bei mir noch nicht so lange zurücklag und ich noch gut im Lernen drin war. Deshalb rate ich, den Meister relativ früh anzugehen, wenn man die Möglichkeit hat.

Direkt nach der erfolgreichen Prüfung zum Industriemeister sind Sie in Ihr Ausbildungsunternehmen zurückgekehrt.
Wir hatten vereinbart, dass ich mich nach dem Abschluss des Meisterlehrgangs wieder bewerben konnte. Die Wiedereinstellung war aber kein Automatismus. Vorher hatte ich in der Herstellung gearbeitet. Der Betriebs- und der Herstellungsleiter teilten mir in einem Gespräch mit, dass Stellen in anderen Bereichen frei wurden. So kam ich in die Abteilung Abfüllung und Konfektionierung. Das ist ein sehr sensibler Bereich, weil ein Fehler, etwa durch eine falsche Etikettierung eines Produkts, gravierende Folgen hätte. Nach der Konfektionierung ist ein Eingreifen kaum noch möglich. Entsprechend viele Sicherheitsstufen gibt es, bis ein Medikament in den Handel gelangt.

Wie wichtig war die Qualifikation als Industriemeister bislang für Ihre berufliche Entwicklung?
Auf der neuen Position bin ich noch in der Einarbeitungsphase, erhalte aber bereits ein höheres Gehalt als vorher. Mittelfristig habe ich die Chance, Abteilungsleiter in einer Linie zu werden. Der Meister ist auf jeden Fall die Basis für das weitere Fortkommen.

Was sind Ihre weiteren beruflichen Pläne?

Erst einmal möchte ich mich in dem neuen Bereich etablieren. Dazu gehört auch, bei internen Anfragen die Ressourcen des eigenen Teams einschätzen und planen zu können. Es ist schon jetzt ein großer Zuwachs an Erfahrungen, der mir auch später weiterhelfen wird.

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)