Martin Klinger: Architektur, Stadtentwicklung und Solidarwirtschaft

Stadtentwicklung ganz neu denken: Das schlägt Martin Klinger in seiner Masterarbeit für sein Architekturstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart vor. Die Thesis mit dem Titel “Club of Cooperative Production” überprüft neue Möglichkeiten kollektiver und kreisläufiger Lebensweisen und deren Ausdruck in Architektur und Stadt.

Eine am Bedarf orientierte Ökonomie soll nach diesem Modell vor allem durch  lokale Kooperativen und Genossenschaften geprägt sein, die über den „Club“, eine digitale Plattform, miteinander vernetzt sind und damit für Produkte und Dienstleistungen eigene Marktplätze aufbauen können. Beispiele solcher Akteure sind solidarische Landwirtschaftsvereine, Wohngenossenschaften oder Beteiligte an Bürgerkraftwerken. Die Plattform ermöglicht den Nutzern überdies auch die gegenseitige Finanzierung ihrer Projekte (Crowdfinancing, Crowdlending, Crowdinvesting). Über die festgelegten Ziele wird damit eine Stadt- und Raumentwicklung für kooperative Arbeit ermöglicht. An dieser Stelle wird der „Club“ zu Architektur und Stadt.

Martin Klinger erläutert während der Ausstellung sein Konzept

Martin Klinger zeigt am konkreten Beispiel eines leerstehenden Gebäudekomplexes im Stuttgarter Osten die Möglichkeiten, die ein solches Modell für die Stadtentwicklung bietet. Für das ehemalige Industrieareal entwickelte er ein Konzept, bei dem das Grundstück des Areals an eine gemeinnützige Stiftung verkauft wird und damit vom spekulativen Immobilienmarkt genommen wird. Die entsprechende Stiftung verpachtet die leerstehenden Gebäude wiederum an die Plattformgenossenschaft, die in Zusammenarbeit mit der Stadt ein Umnutzungskonzept entsprechend den Anforderungen der Kooperativen und den örtlichen städtischen Anforderungen erarbeitet: für genossenschaftlichen sozialen Wohnungsbau, für Kitas, Pflegeeinrichtungen, Werkstätten und Co-Working-Spaces.

Die nutzenden Genossenschaften zahlen für das Grundstück auf 99 Jahre Erbpachtzins an die Stiftung. Bei gleichbleibenden Mieten wird das Areal ein großer Attraktor für kooperatives kreisläufiges Solidarwirtschaften.

 

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Seit Beginn seines Berufslebens hatte Martin Klinger einen Bezug zur Architektur: Nach dem Schulabschluss mit mittlerer Reife erlernte er den Beruf des Bauzeichners. Im Anschluss arbeitete er vier Jahre für ein Unternehmen, das Modulbaulösungen für größere Bauprojekte anbietet, etwa für Bürogebäude, Schulen, Hotels, Kliniken oder Pflegeeinrichtungen. Berufsbegleitend absolvierte er die Aufstiegsfortbildung zum staatlich geprüften Techniker in der Fachrichtung Bautechnik und mit Schwerpunkt Hochbau. Schon früh wurden ihm Bau- und Projektleitungen übertragen.

Martin Klinger wollte jedoch Architektur auch selbst gestalten. Nach einer erfolgreichen Zugangsprüfung konnte er an der ABK Stuttgart das Architekturstudium beginnen, sein früherer Arbeitgeber unterstützte mit einem begründeten Vorschlag die Bewerbung um ein Aufstiegsstipendium. Das Bachelorstudium und nun auch das Masterstudium schloss Martin Klinger mit Bestnoten ab.

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