„Einen Spirit wie in der SBB-Community habe ich noch nie erlebt“

Nach der Mitteleren Reife und einer Ausbildung zum Bankkaufmann bildete Manuel Johannes Sauer sich zum Sparkassenfachwirt weiter und leitete eine kleine Filiale. Auf der Suche nach einem innovativen Wirtschaftsstudium entdeckte er den Studiengang „International Business Studies“ an der Universität Erlangen-Nürnberg, schloss diesen erfolgreich mit der Note 1,39 ab und befindet sich nun im Master-Studium „Finance and Information Management“ an der TU München. Im Interview erzählt er, warum es ihm wichtig ist, sich als Stipendiat für die SBB-Community und andere Initiativen zu engagieren.


Herr Sauer, nach der Mittleren Reife absolvierten Sie eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Wie waren Sie auf den Beruf gekommen?

Ich hatte schon in der Realschule Unterricht in BWL und während der Schulzeit vier Praktika absolviert. Eines war in einer lokalen Bank, dieses hatte mich an meisten angesprochen. Hätte ich keine Ausbildungsstelle bekommen, hätte ich vielleicht an einer Fachoberschule das Abitur gemacht, um zu studieren. Aber meine erste Priorität war, erst praktische Erfahrungen zu sammeln. In meiner Familie hatte zuvor auch niemand studiert.

Wie haben Sie Ihre Ausbildungsstelle gefunden?

Ich hatte mich auf einer Ausbildungsbörse mit verschiedenen Ausstellern unterhalten, unter anderem zwei regionalen Banken, und entschied mich für eine Bank ins Ansbach. Die Ausbildung war wirklich super. Es war eine tolle Kombi aus Berufsschule, innerbetrieblicher Schule sowie Praxis in den Geschäftsstellen und Abteilungen.

Wie ging es beruflich für Sie weiter?

Ich blieb noch vier Jahre in dem Institut. Ich wollte dort weitere Berufserfahrungen sammeln und dem Arbeitgeber nach der tollen Ausbildung natürlich auch etwas zurückgeben. Zunächst arbeitete ich als Kundenberater in einer etwas größeren Filiale und wechselte dann recht früh als Geschäftsstellenleiter in eine kleinere. In einer eigenen Filiale und auf lokaler Ebene etwas bewegen zu können, hat mich fasziniert. In der Zeit konnte ich mithilfe des Weiterbildungsstipendiums auch die Weiterbildung zum Sparkassenfachwirt absolvieren.

Wie kam es zur Förderung durch das Weiterbildungsstipendium?

Ich hatte meine Ausbildung ziemlich gut abgeschlossen und erhielt anschließend ein Infoschreiben der IHK Nürnberg für Mittelfranken mit einigen Broschüren, unter anderem zum Weiterbildungsstipendium. Das fand ich spannend und konnte schließlich mithilfe des Stipendiums einige Weiterbildungen absolvieren. Darunter waren ein Personal Coaching, Kommunikationstrainings, IHK-Zertifikatslehrgänge zum Innovationsmanager und Projektleiter und der Ausbilderschein.

Seit wann zogen Sie ein Studium in Betracht?

Den Gedanken hatte ich ja schon zum Ende der Realschulzeit, wenn auch nicht als erste Priorität. Ich merkte während der verschiedenen Weiterbildungen, dass ich mich persönlich weiterentwickeln wollte. Als eine mögliche Richtung nannte ich in einem Gespräch mit meinem Arbeitgeber den Bereich Innovationsmanagement. Das Thema war in dem Institut zu der Zeit jedoch nicht so relevant. Deshalb begann ich, mich in Richtung Studium zu orientieren.

Ein klassisches BWL-Studium war es dann nicht. Wie haben Sie den Studiengang ausgewählt?

Da ich kein Abitur hatte, wusste ich gar nicht, ob ich überhaupt studieren konnte oder welche Voraussetzungen ich mitbringen musste. Ich informierte mich dann bei einigen Hochschulen. Der Studiengang sollte einen Bezug zum Thema Wirtschaft haben und in der Nähe meiner Region in Franken angeboten werden. Besonders interessant fand ich eine Kombination aus Start-up, Innovation, Wirtschaftsmanagement und Wirtschaftsinformatik. Die habe ich an der Uni Erlagen-Nürnberg in dem Studiengang ‚International Business Studies‘ gefunden, mit einigen zusätzlichen Wahlfächern, die ich spannend fand.

Wie empfanden Sie den Start ins Studium?

Der Studiengang war gerade von Deutsch auf Englisch umgestellt worden. Englisch hatte ich zuvor sieben Jahre lange nicht gebraucht. Ein komplettes Studium in der Sprache zu absolvieren, war eine große Herausforderung für mich. Ich besuchte deshalb eine Sprachschule und unternahm Sprachreisen nach Malta, New York und San Francisco. Außerdem fiel der Studienstart in den Beginn der Corona-Pandemie. Vorher waren wir zum Glück noch fünf Wochen vor Ort und hatten Gelegenheit, zu Lerngruppen zusammenzufinden. Wir haben uns dann online getroffen, das hat super funktioniert. Vor allem in Mathematik musste ich viel nachholen. Geholfen hat mir auch die ideelle Förderung im Rahmen des Aufstiegsstipendiums, zum Beispiel ein Seminar zum wissenschaftlichen Arbeiten. Das war enorm hilfreich, weil ich mich zuvor nie damit beschäftigt hatte.

Wie hatten Sie vom Aufstiegsstipendium erfahren?

Ich hatte mit einer Sachbearbeiterin bei der IHK wegen des Weiterbildungsstipendiums telefoniert und erwähnte, dass ich gerne noch studieren wollte. Daraufhin wies sie mich auf das Aufstiegsstipendium als eine mögliche weitere Förderung hin. Ich habe es mir angeschaut, mich beworben und wurde tatsächlich auch in dieses Programm aufgenommen.

Wie sehr hat das Stipendium Ihnen das Studium erleichtert?

Das Stipendium war eine große Erleichterung. Sonst hätte ich einen Nebenjob annehmen müssen, das wäre während der Corona-Pandemie in einem englischsprachigen Studiengang und bei dem nachzuholenden Mathe-Stoff eine große Belastung gewesen. So konnte ich mich viel besser auf das Studium konzentrieren. Dazu kamen die ideelle Förderung mit den Seminaren und die Möglichkeiten, mich innerhalb der Community der SBB auszutauschen. Es sind Menschen, die man noch nie gesehen hat, aber mit denen man sich sofort versteht. Einen solchen Spirit wie in der SBB-Community habe ich noch nie erlebt.

Wurden in Ihrem Studium berufliche Qualifikationen angerechnet?

Nein, ich musste das volle Programm abdecken. Die persönliche berufliche Qualifikation hat mir aber dennoch viel gebracht, etwa durch bestimmte Soft Skills oder ein gewisses wirtschaftliches Verständnis, das ich schon einbringen konnte. Ich finde es unglaublich wertvoll, vor dem Studium eine Ausbildung gemacht und anschließend noch einige Jahre Berufserfahrung gesammelt zu haben. Schon einmal Verantwortung übernommen zu haben, ist sehr wichtig, es hilft einem auch im Studium.

Sie hatten auch die Zusage für ein Auslandssemester.

Theoretisch ja, ich hatte die Zusage einer tollen Uni in Shanghai, zum Thema ‚Innovation at the science‘. Aufgrund der Pandemie erhielt ich aber kein Visum. Das Studium wurde dann online abgehalten, ich blieb also in Deutschland. Es war auch eine Brasilianerin online dabei, deshalb mussten wir drei verschiedene Zeitzonen unter einen Hut bringen. (lacht) Der Austausch war sehr interessant und es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Welche SBB-Seminare außer zum wissenschaftlichen Arbeiten haben Sie belegt?

Das waren Seminare zu den Themen Train the brain, Verhandlungstechniken, Netzwerken und Einstellungsgespräche. Das Angebot fand ich so cool, dass ich inzwischen selbst zwei Communitys mit leite, die Tech-Community und die Entrepreneurship-Community. Dazu gibt es die Community Days, in denen sich Personen aus verschiedenen SBB-Communitys treffen. Diese organisiere ich ebenfalls mit. Dabei werden wir von der SBB auch unheimlich gut unterstützt.

Sie befinden sich inzwischen im ersten Master-Semester. Wann wurde Ihnen klar, dass Sie das Studium fortführen wollen?

Ich habe mich von Anfang des Studiums an damit beschäftigt, weil man das Bachelor-Studium entsprechend ausrichten muss, um für bestimmte Master-Studiengänge zugelassen zu werden. Konkret entwickelt hat sich der Wunsch mit der Zeit. Ich wollte das Thema Innovationsmanagement weiter vertiefen und an eine Uni gehen, die diesen Start-up-Spirit hat. Bei der TU München, die ein großes Start-up-Zentrum hat, ist mir der Master-Studiengang ‚Finance and Information Management‘ aufgefallen und ich habe mich für diesen entschieden. Dort werde ich glücklicherweise weiter durch das Aufstiegsstipendium gefördert.

Wie konnten Sie bislang von Ihrem Studium profitieren?

Das betrifft zum einen meine persönliche Entwicklung. Durch das Studium habe ich begonnen, anders zu denken und kritischer zu hinterfragen. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge haben sich für mich auch noch einmal klarer dargestellt. Durch einen externen Dozenten bin ich außerdem an eine Werkstudentenstelle gekommen und arbeite im agilen Projektmanagement in einem Scrum-Team in der Rolle als Product Owner. Es ist aber auch schön, etwas zurückzugeben. Außer in den SBB-Communitys engagiere ich mich in sozialen Projekten aus meinen Studiengängen. Wir haben zum Beispiel Finanzunterricht an Schulen gegeben oder bieten jetzt Deutschunterricht für Kinder von Geflüchteten aus der Ukraine an.

Interview: Heinz Peter Krieger

 

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