„Wer sich selbst einbringt, kann auch mitgestalten“ - Metallbauer Frederik Brückner über sein Studium in Produktdesign

Beim Tauchen hatte Frederik Brückner die Idee für sein Abschlussprojekt
Foto_FBrückner

Frederik Brückner absolvierte eine Handwerksausbildung zum Metallbauer und arbeitete anschließend in einer Kunst- und Bauschlosserei in Stolberg. Er bildete sich zum Metallbaumeister und International Welding Specialist (Internationaler Schweißfachmann) weiter und begann nach fünf Jahren Berufserfahrung ein Produktdesign-Studium an der Fachhochschule Aachen. Das Bachelor-Studium schloss er 2015 mit der Note 1,1 ab. Für seinen besonders guten Studienabschluss und sein hochschulpolitisches Engagement erhielt er die Ehrenplakette der FH Aachen. Im selben Jahr begann er, weitergefördert durch das Aufstiegsstipendium, an der FH Aachen das konsekutive Master-Studium Kommunikationsdesign und Produktdesign.

Herr Brückner, nach Ihrer Ausbildung zum Metallbauer arbeiteten Sie fünf Jahre in einer Kunst- und Bauschlosserei. Was gehörte dort zu Ihren Tätigkeiten?
Es war eine kleine Firma, in der ich arbeitete, sie hatte aber ein sehr gemischtes Programm. Ich war dort für die Produktion und Montage zuständig. Wir führten zum Beispiel Restaurationen für den Aachener Dom durch. Einige meiner Schmiedearbeiten sind heute im Dom zu sehen. Außerdem gehörte alles aus dem Bereich Bauschlosserei dazu, etwa Balkongeländer und -absturzsicherungen. Das können Schweißkonstruktionen sein, aber auch schmiedeeiserne Teile. Eine weitere Sparte war der Industrieservice für eine Bleihütte in Stolberg. Wenn die Hütte spezielle Edelstahlkonstruktionen benötigte, haben wir diese gebaut.

Seit wann spielten Sie mit dem Gedanken zu studieren?
Ich hatte an einer Abendschule meinen Meister gemacht und dort engen Kontakt mit einigen Kommilitonen, die an der Handwerksakademie studierten. Sie hatten sich für eine Kombi-Qualifikation entschieden: an der Handwerksakademie den ‚Designer/Gestalter im Handwerk‘ und den Meister in ihrem Gewerk. Zu der Zeit ging ich auf einige Ausstellungen und beschäftigte mich auch dadurch mehr mit dem Thema Gestalten. Dabei stieß ich irgendwann auf den Studiengang Produktdesign an der FH Aachen.

Um das Aufstiegsstipendium hatten Sie sich schon vor dem Studium beworben. Wie hatten Sie davon erfahren?
Für die Meisterschule hatte ich einen Studienkredit bei der KfW aufgenommen. Den Meister zu machen, ist ja nicht gerade günstig. Als ich überlegte zu studieren, brauchte ich auch einen Plan für die Finanzierung des Studiums. Bei der Online-Recherche bin ich auf das Aufstiegsstipendium gestoßen. Das passte einfach genau. Es gibt ja nicht viele Stipendien, die sich an Studenten mit Berufserfahrung richten.

Wie sehr half Ihnen das Stipendium beim Studium?
Das Aufstiegsstipendium war eine große Hilfe. Es gab mir die Möglichkeit, mich ganz auf das Studium zu konzentrieren. Und ich hatte die Freiheit, mich am Fachbereich engagieren zu können.

Wie sah das Engagement aus?
Ich habe Tutorien geleitet und Kommilitonen unterstützt, wenn es etwa um Modellbau oder technisches Zeichnen ging. Da war ich durch meine Berufserfahrung schon weiter. In die Hochschulpolitik kam ich, weil ich Probleme gerne pragmatisch angehe. In Strukturen wie an einer Hochschule gibt es oft viele Zwänge, innerhalb derer man sich bewegen muss. Ich habe dann geschaut, wie man die Situation vielleicht entschärfen kann. So wurde ich bald zum Ansprechpartner für beide Seiten und auch in den Fachschaftsrat und den Fachbereichsrat gewählt.

Haben Sie den Aufwand manchmal bereut?
Überhaupt nicht. Durch das Engagement bekam ich unheimlich viel aus der Organisation mit, was sonst an mir vorbeigelaufen wäre. Wer sich selbst einbringt, kann schnell auch mitgestalten und konsumiert die Situation nicht nur passiv.

Warum fiel Ihre Wahl auf das Fach Produktdesign? Wegen der künstlerischen Seite?
Nein, Produktdesign ist ein sehr technisches Fach. Es geht um Technik und darum, eine Aussage zu treffen und eine Vision von einem Produkt zu verwirklichen. Spannend finde ich vor allem die Frage: Braucht überhaupt jemand, was ich da entwerfe? Anders als in der Kunst geht es im Design darum, dass eine Sache einerseits schön aussieht und Emotionen weckt, aber vor allem auch funktioniert und sich möglichst selbst erklärt.

Wie verlief Ihr Start ins Studium?
Fachlich hatte ich keine Schwierigkeiten. In den ersten beiden Semestern war es allerdings sehr arbeitsintensiv. Wir hatten viele kleine Aufgaben bei verschiedenen Dozenten, die fast gleichzeitig bearbeitet werden mussten. So lernten wir in kurzer Zeit alle Bereiche kennen. Ich habe mich aber vom ersten Tag an wohlgefühlt. Der Fachbereich war wie eine neue Familie, in die man kommt.

Ihre Bachelor-Arbeit hatte ein recht außergewöhnliches Thema, ein Unterwasserfahrzeug für Filmkameras. Wie kamen Sie darauf?
Ich hatte im Studium regelmäßig an dem studentisch geführten Projekt ‚sub-art‘ teilgenommen und selbst für einige Zeit die Leitung übernommen. Das gehörte zu den Projekten, für die ich mich ohne das Aufstiegsstipendium nicht hätte engagieren können. Zu ‚sub-art‘ gehört eine Exkursion in ein kleines Fischerdorf in Kroatien, jeweils in den Sommersemesterferien. Im folgenden Wintersemester können die Teilnehmer aus den gesammelten Eindrücken ein Produkt oder eine Installation kreieren. Höhepunkt ist, das Ergebnis auf der Messe ‚Boot‘ in Düsseldorf auszustellen. Dort hat der Fachbereich seit vielen Jahren einen Messestand. Bei den Exkursionen hatte ich auch unter Wasser gefilmt. Daraus die Bachelor-Arbeit zu machen, war eine relativ spontane Idee. Es gibt zwar schon Vehikel für einfache Unterwasseraufnahmen. Das Unterwasserfahrzeug soll aber auch Aufnahmen in Kinofilmqualität ermöglichen, bis zu Verfolgungsjagden. Hierfür ist der Bewegungsablauf der Kamera besonders wichtig. Bislang kann zum Beispiel kein Gerät auf dem Markt schnelle, filmtaugliche Seitwärtsfahrten absolvieren.


Das Interview führte Heinz Peter Krieger

 

Link zur Internetseite der FH Aachen: "Kormoran" Unterwasservehikel für Filmkameras