"Ich habe mich dahintergeklemmt" – Stipendiat Patrick Jeschke über sein Ingenieurstudium in Elektrotechnik

Patrick Jeschke absolvierte nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Informationselektroniker mit Gesellenprüfung bei der Handwerkskammer Köln. Noch während seiner Ausbildung erlangte er die Fachhochschulreife an der Abendschule. Nach der Ausbildung nahm Herr Jeschke am Praktischen Leistungswettbewerb (PWL) des Handwerks teil und wurde Kammersieger in Köln sowie zweiter Landessieger in Nordrhein-Westfalen. Nach mehreren Jahren im Beruf begann er 2011 ein Ingenieurstudium (Elektrotechnik/Automatisierungstechnik) an der Fachhochschule Köln, dass er im August 2014 als Bachelor und mit einem Notendurchschnitt von 1,8 erfolgreich abschloss.


Herr Jeschke, nach Ihrer Mittleren Reife absolvierten Sie eine Ausbildung zum Informationselektroniker, bestanden die Meisterprüfung im Informationstechniker-Handwerk. Warum entschieden Sie sich zusätzlich für eine kaufmännische Weiterbildung zum Fachkaufmann HWK?
Ich habe in einem kleinen Ausbildungsbetrieb gelernt, in dem ich in allen Positionen im Einsatz war, auch im Back-Office und im Verkauf. Ich fand es immer interessant, die Gesamtheit zu sehen und in allen Bereichen Bescheid zu wissen. Als die Handwerkskammer anbot, zusammen mit dem Meister die Weiterbildung zum Fachkaufmann zu absolvieren, habe ich das deshalb gerne mitgenommen. Es war nur ein halbes Jahr zusätzlicher Aufwand.

Damit waren Sie schon breit qualifiziert. Warum wollten Sie dem ein Studium hinzufügen?
Den Gedanken an ein Studium hatte ich schon länger. Ich hatte mich aber zunächst nicht getraut, weil ich nicht wusste, ob ich das finanziell und inhaltlich schaffen würde. Bei meinen Weiterbildungen merkte ich aber, dass mir das Lernen Spaß machte und nicht schwerfiel. Seitdem glaubte ich, dass es auch im Studium klappen würde.

Wann entschieden Sie sich für ein Studium?
Die Inhaber meines damaligen Arbeitgebers wollten in den Ruhestand gehen und suchten einen Nachfolger für das Unternehmen. Dafür hatten sie mich ausgeguckt. Ich war interessiert und wir planten schon in die Richtung, weil auch meine Weiterbildungen gut passten. Mit meiner Chefin sprach ich zu dieser Zeit aber auch über meinen Wunsch, ein Ingenieurstudium zu beginnen, und darüber, dass mir noch der Mut dazu fehlte. Sie gab mir dann den letzten Anstoß, das Studium zu wagen. Sie fand, dass ich das Zeug dazu hätte und mich auch später noch selbstständig machen könnte. Danach entschied ich mich relativ schnell und schrieb mich für ein Bachelor-Studium an der Fachhochschule Köln ein.

Damit hat Ihre Chefin sich um die eigene Firmennachfolge gebracht…
Sie hielt es für die sinnvollste Entscheidung. Es war ein sehr familiäres Unternehmen, in dem darauf geachtet wurde, dass am Ende jeder gut bei allem herauskommt. Der Betrieb ist dann an einen anderen Kollegen übergeben worden.

Klappte es mit dem Lernen an der FH so gut, wie Sie es nach Ihren Weiterbildungen erwartet hatten?
Der Start war schon schwierig. Gerade die Fächer Mathe und Physik waren absolute Siebfächer. Mich da hineinzuarbeiten, war eine Herausforderung. Vor allem meine Mathe-Kenntnisse waren vor dem Studium nicht besonders gut. Das lag auch an fehlendem Mathe-Unterricht zuvor. In Vollzeit zu studieren war natürlich ebenfalls eine Umstellung, aber die Eingewöhnung fiel mir eigentlich leicht. Ich habe am Campus Gummersbach der FH Köln studiert. Der ist mit etwa 2.200 Studenten recht überschaubar.

Wie haben Sie den Rückstand in Mathe aufgeholt?
Ich habe sehr viel gelernt und mich dahintergeklemmt. Dabei halfen mir verschiedene Tutorien und Übungen der FH, in denen die Studenten vieles anwenden und fragen konnten. Außerdem hatte ich während des gesamten Studiums einen Teampartner. Wir unterstützten und motivierten einander immer sehr gut. Ich war durch meine Vorbildung gut in Elektrotechnik und BWL. Mein Partner war dadurch, dass er gerade sein Abitur gemacht hatte, gut in Mathe. So haben wir uns gut ergänzt.

Ihr Studium hatten Sie bereits begonnen, als Sie sich um ein Aufstiegsstipendium bewarben. Wie erfuhren Sie von der Möglichkeit?
Meine Meister-Weiterbildung war bereits durch das Weiterbildungsstipendium gefördert worden und nach meiner Ausbildung hatte ich die Auszeichnung als Kammersieger der Handwerkskammer erhalten. Deshalb schrieb mich die SBB an und stellte mir die Möglichkeit vor, sich zur Förderung eines Studiums um das Aufstiegsstipendium zu bewerben. Das habe ich natürlich gerne angenommen und mich erfolgreich beworben.

Wie sehr erleichterte Ihnen das Stipendium Ihr Studium?
Ich hatte schon einige Jahre gearbeitet, war seit Längerem aus dem Elternhaus ausgezogen und wohnte nicht gerade in einer typischen Studentenwohnung. Deshalb war es mit dem Stipendium für mich wesentlich einfacher, mein bisheriges Leben aufrechtzuerhalten. Ich hatte schon vor meiner Bewerbung um das Stipendium als Werkstudent bei einem Maschinenbau-Unternehmen gearbeitet und habe das auch weiterhin gemacht. Aber ich war nicht mehr gezwungen, jeden Tag arbeiten zu gehen und konnte mich mehr auf das Studium und das Lernen konzentrieren.

Was ist das eigentlich ein ‚Kammersieger‘?
Erst wird der beste Auszubildende einer Innung gewählt. Aus den Besten der Innungen wählt die Handwerkskammer Köln dann den besten Gesellen aus. Das ist der Preis, den ich bekam. Die Gewinner in einem Ausbildungsberuf aus den Kammern in Nordrhein-Westfalen werden dann zu einem Wettbewerbstag eingeladen. Hier mussten wir verschiedene theoretische und praktische Aufgaben lösen. Ich wurde zweiter Landessieger in NRW.

Ihr Studium haben Sie inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Was sind Ihre nächsten Pläne – mit all den Qualifizierungen und Auszeichnungen?
Mir war es erst einmal wichtig, in den Beruf reinzukommen. Ich bin für den Ingenieurdienstleister Ferchau tätig und arbeite derzeit bei einem mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauer, der Maschinen für die Schokoladenindustrie herstellt. Hier fühle ich mich auch sehr wohl. Im kommenden Sommer möchte ich ein berufsbegleitendes Master-Studium im betriebswirtschaftlichen Bereich beginnen, eventuell als MBA-Studium. Langfristig ist mein Ziel, mir eine Führungsposition zu erarbeiten.

Was empfehlen Sie Berufstätigen, die überlegen, ein Studium zu beginnen?
Man muss den Mut haben und sich trauen. Es ist harte Arbeit und zumindest im Ingenieurstudium nicht gerade das typische Studentenleben, das sich viele vorstellen. Aber die Jobs, die anschließend möglich sind, sind spannend und hochinteressant. Das Studium rentiert sich.


(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)