Interview mit Alina Beckel
„Meistens unterschätzt man, wie gut man selbst ist“
Ihre Ausbildung zur Konstruktionsmechanikerin schloss Alina Beckel als Jahrgangsbeste ab. Die IHK Südthüringen zeichnete sie dafür als „Bildungsfuchs 2022“ aus und informierte sie über die mögliche Förderung durch das Weiterbildungsstipendium. Alina Beckel nutzte die Chance und absolvierte bald die Weiterbildung zur Industriemeisterin Metall.
Frau Beckel, Sie haben eine Ausbildung zur Konstruktionsmechanikerin absolviert. Wie waren Sie auf diesen Beruf gekommen?
Dafür habe ich einen Umweg genommen. Nach meinem Abschluss an der Regelschule in der 10. Klasse hatte ich vor, ins Berufsleben einzusteigen, wusste aber nicht so recht, wie ich das angehen sollte. Deshalb ging ich zur Überbrückung zunächst auf das Berufsbildungszentrum Schmalkalden, um dort in drei Jahren mein Abitur zu machen. Nach zwei Jahren hatte ich aber viele Informationen gesammelt und Praktika absolviert und bin schließlich auf die Ausbildung zur Konstruktionsmechanikerin gekommen. Mein Vater hat eine Firma, die Prüfgeräte für Baustoffe herstellt, die in Laboren und Universitäten eingesetzt werden. Mit dem Thema Metallbau war ich also schon aufgewachsen. Ich wollte ursprünglich etwas anderes machen, aber mit der Zeit merkte ich, dass der Bereich Metallbau doch sehr interessant ist und ich auch das technische und handwerkliche Verständnis dafür mitbrachte.
Wie haben Sie Ihre Ausbildungsstelle gefunden?
Nach meinen Praktika hatte ich mich direkt in einer der Firmen, einem metallverarbeitenden Unternehmen in Steinbach-Hallenberg in Thüringen, um eine Ausbildungsstelle beworben und diese auch bekommen. Die Ausbildung verlief dann wirklich optimal und ich bin gerne hingegangen. Der Beruf ist sehr vielseitig und das Unternehmen hat den Auszubilden viel Spielraum gelassen, sich zu entwickeln. Abgeschlossen habe ich die Ausbildung mit 91 Punkten und war in dem Lehrjahr die beste Auszubildende im Bereich der IHK Südthüringen in dem Lehrberuf. Sehr gut abgeschnitten habe ich vor allem im praktischen Teil, da habe ich in der Abschlussprüfung 100 Prozent erreicht. Eigentlich ist es eine dreieinhalbjährige Ausbildung, ich konnte sie aber auf drei Jahre verkürzen.
Was macht den Beruf für Sie so vielseitig?
Er umfasst viele Themen und Ausrichtungen. Es geht nicht nur um den Metallbau, wie beim Schweißen im reinen Stahlbau, sondern auch um Zerspanung oder die Behandlung von Oberflächen – nicht alles gleichermaßen in die Tiefe, aber man lernt viele Bereiche kennen. Das eröffnet verschiedene Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, etwa sich zu spezifizieren oder breiter gefächert unterschiedliche Themen abzudecken.
Wie ging es nach der Ausbildung beruflich für Sie weiter?
Ich habe zunächst ein Jahr weitergearbeitet und dann eine neunmonatige Vollzeit-Weiterbildung zur Industriemeisterin Metall begonnen. Den Anstoß gab die Förderung durch das Weiterbildungsstipendium – ohne das Stipendium hätte ich den Meister nicht gemacht. Die Meister-Weiterbildung ist ja auch kostspielig. Die Weiterbildung anzugehen, hatten mir verschiedene Stellen empfohlen und die IHK Südthüringen auch das Weiterbildungsstipendium. Als beste Auszubildende des Lehrjahres wurde ich mit dem „Bildungsfuchs“ der IHK ausgezeichnet und auf der Veranstaltung kam auch das Stipendium zur Sprache. Mein Ausbilder hatte mich ebenfalls schon auf mögliche Förderungen hingewiesen.
Warum haben Sie sich für eine Weiterbildung in Vollzeit entschieden?
Das war mir lieber, als sich die Weiterbildung über mehrere Jahre hinziehen zu lassen. Ich fand es auch sinnvoll, die Weiterbildung früh zu absolvieren, als die Ausbildung noch frisch war. Durch die Förderung war es mir finanziell möglich. Anschließend bin ich wieder in das Unternehmen zurückgekehrt.
Wie anspruchsvoll fanden Sie die Weiterbildung zur Industriemeisterin Metall?
Es war schon anstrengend, aber es gab auch viele interessante Fächer und gute Dozenten. Man sollte keine Angst haben, den Lehrgang anzugehen. Aus meinem Lehrgang haben alle die Prüfung bestanden, die IHK hat das wirklich super organisiert.
Inwieweit konnten Sie schon davon profitieren?
Nach einem guten halben Jahr habe ich die Stelle gewechselt und bin in das Unternehmen meines Vaters eingestiegen. Dort lerne ich jetzt die gesamten Strukturen und betrieblichen Vorgänge kennen. Dabei hilft die Industriemeister-Weiterbildung sehr, vor allem in Bereichen wie Organisation und Unternehmensführung. Man versteht die Strukturen besser oder auch, warum etwas nicht funktioniert – das ist ebenfalls wichtig. Durch die Weiterbildung habe ich ein ganz anderes Auge für die Betriebsorganisation.
Aus Ihrer Erfahrung: Wann ist der passende Zeitpunkt für eine Weiterbildung?
Das ist eine schwierige Frage. Wenn man ehrlich ist, passt im Leben ja nie wirklich etwas und es ist selten der richtige Zeitpunkt. Wenn das Interesse und die Möglichkeit da sind und man halbwegs abgesichert ist, sollte man es auch wagen – erst recht, wenn es eine Förderung wie das Weiterbildungsstipendium gibt. Meistens unterschätzt man, wie gut man selbst ist.
Interview: Heinz Peter Krieger