Sommerakademie der beruflichen Talente

Die Sommerakademie bot verschiedene Möglichkeiten des Austauschs in Kleingruppen und im Plenum.

Die zentralen Ergebnisse der Workshops wurden von den Geförderten zur Präsentation für alle aufbereitet.

Vorträge zu Themen rund um Möglichkeiten des Engagements boten Gelegenheit gemeinsam zu diskutieren und sich auszutauschen.

Mitreden, mitmachen, mitgestalten: Erste Sommerakademie der beruflichen Talente bringt Geförderte aus ganz Deutschland zusammen

Vom 7. bis 9. August 2026 fand im Haus Villigst in Schwerte an der Ruhr die erste Sommerakademie der beruflichen Talente statt. Unter dem Motto „Mitreden. Mitmachen. Mitgestalten.“ kamen erstmals Geförderte aller vom Bund geförderten Auszubildenden-Stipendienprojekte mit Geförderten der SBB aus dem Aufstiegsstipendium und dem Weiterbildungsstipendium zusammen.

Beteiligt waren neben der SBB die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Hanns-Seidel-Stiftung, das Evangelische Studienwerk Villigst, das Cusanuswerk, die Stiftung der Deutschen Wirtschaft, die Hans-Böckler-Stiftung, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Im Mittelpunkt standen unterschiedliche Formen und Voraussetzungen gesellschaftlichen Engagements sowie der Austausch über die Grenzen der Förderprogramme hinweg.

Nach der Begrüßung durch Friederike Faß, Geschäftsführerin des Evangelischen Studienwerks Villigst, und Melanie Lochner, Geschäftsführerin der SBB, eröffnete Dr. Barbara Dorn von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände die Sommerakademie mit einem Impuls zum Thema „Berufliche Bildung stärkt unsere Demokratie: Chancen, Engagement und Unternehmergeist von Anfang an“. Dabei beleuchtete sie den Zusammenhang zwischen beruflicher Bildung, demokratischer Teilhabe und der Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Begabtenförderung. Anschließend ging es in ein von Geförderten ehrenamtlich gestaltetes Begegnungs- und Kennenlernprogramm.

Am Samstagmorgen zeigte Natasha Volodina vom Bundesverband der Freien Berufe unter dem Titel „Ehrenamt in Berufskammern: Verantwortung mit Wirkung“ Engagementmöglichkeiten in den Kammern auf und stellte den „Demokratie-Campus“ des BFB vor. Paul Fischer von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt gab anschließend mit seinem Impuls „#EngagiertGeforscht: Neue Erkenntnisse in die Praxis tragen“ einen Überblick über Engagement und Ehrenamt in Deutschland sowie über die Unterstützungsangebote der DSEE.

In zwei Workshopphasen konnten alle Teilnehmenden zwei von insgesamt sechs Angeboten besuchen:

  • „Wertschätzende Kommunikation im Ehrenamt: Besonderheiten und Herausforderungen“ mit Steven Giermann,
  • „Wenn Engagement zur Zielscheibe wird: Strategien gegen Feindseligkeit und Bedrohung“ mit zwei Referierenden der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus NRW,
  • „Deine Ausbildung, deine Stimme – Was du in der Jugend- und Auszubildendenvertretung bewegen kannst“ mit Jonas Scholz von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft NRW,
  • „Deine Idee, dein Start: Unternehmensgründung für junge Fachkräfte“ mit Janine Weirich, Gründerin von xeem,
  • „Ehrenamt und ausgebrannt? – Selbstfürsorge als Schlüssel für gesundes Engagement“ mit der SBB-Stipendiatin, Physiotherapeutin und Psychologin Elli Kutscha,
  • „Dein Weg ins Auslandspraktikum“ mit Rebecca Hof vom Netzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“ der Handwerkskammer Düsseldorf.

Ein Höhepunkt der Sommerakademie war das World Café am Samstagnachmittag. Zahlreiche Geförderte stellten dort ihr eigenes Engagement vor. Die Resonanz auf die vorausgegangene Abfrage war so groß, dass eine breite Vielfalt gesellschaftlicher, politischer, sozialer und kultureller Aktivitäten sichtbar wurde. Teilweise schlossen sich Geförderte aus unterschiedlichen Stipendienprojekten entsprechend ihrer Engagementfelder zusammen. Ein Rotationsprinzip ermöglichte es auch den Präsentierenden, die Projekte der übrigen Tische kennenzulernen. Ergänzt wurde das World Café durch Angebote von Alumni der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und des Vereins Jüdisches Leben in Europa.

Am Sonntagmorgen präsentierten ausgewählte Teilnehmende mithilfe von Stellwänden zentrale Ergebnisse aus den Workshops.

Daran schloss sich die Gesprächsrunde „Engagement ermöglichen, Sichtbarkeit stärken, Gleichwertigkeit leben“ an. Es diskutierten Prof. Dr. Michael Heister vom Bundesinstitut für Berufsbildung, Wolf-Dieter Bauer vom Bundesverband der Freien Berufe, Joschua Zobel von der IGBCE Jugend, Amela Hasanagic, Stipendiatin des SBB-Aufstiegsstipendiums, und Takoua Ayadi, Stipendiatin der Auszubildendenförderung TidA.

Die Diskussion machte deutlich, dass gesellschaftliches Engagement von Auszubildenden und jungen Fachkräften verlässliche Rahmenbedingungen benötigt. Dazu gehören sichere berufliche Perspektiven, eine angemessene Ausbildungsvergütung sowie Möglichkeiten zur Freistellung für ehrenamtliche Tätigkeiten. Ebenso wichtig ist die Erfahrung, tatsächlich mitbestimmen und etwas bewirken zu können.

Auch Stipendien können Engagement ermöglichen: Finanzielle Unterstützung schafft Freiräume, während die Netzwerke der Förderprogramme neue Kontakte und Möglichkeiten der Zusammenarbeit eröffnen. Zugleich wurde die wichtige Rolle der Geförderten als Botschafter:innen der beruflichen Begabtenförderung hervorgehoben, deren öffentliche Bekanntheit noch weiter gestärkt werden kann.

Beim Thema Demokratiebildung wurde dafür geworben, jungen Menschen sowohl in Berufsschulen als auch in Betrieben konkrete Beteiligungserfahrungen zu ermöglichen. Projektorientierte Formate, Jugend- und Auszubildendenvertretungen, Berufsbildungsausschüsse der Kammern und gewerkschaftliches Engagement können dafür wichtige Zugänge bieten. Zugleich dürfe die Verantwortung für betriebliche Defizite nicht auf Auszubildende verlagert werden; ihr eigener Qualifikationserwerb müsse das zentrale Ziel der Ausbildung bleiben.

Mit Blick auf die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung wurde die Bedeutung des praktischen und impliziten Wissens betont, das berufliche Bildungswege vermitteln. Als Ziel wurde ein Arbeitsmarkt formuliert, auf dem Stellen gleichermaßen für beruflich und akademisch Qualifizierte geöffnet und bei vergleichbarer Tätigkeit gleich vergütet werden. Darüber hinaus gelte es, gedankliche Gräben und voneinander getrennte „Bubbles“ aufzubrechen und die Gemeinsamkeiten stärker in den Mittelpunkt zu stellen.

Die abschließenden Rückmeldungen über Mentimeter und aus dem Plenum fielen ausgesprochen positiv aus. Besonders geschätzt wurden der offene werksübergreifende Austausch und das gute Zusammenwirken der Geförderten. Auch anwesende Kammervertreterinnen bewerteten die Einblicke in die berufliche Begabtenförderung sehr positiv.

Der große Wunsch nach einer Fortsetzung der Vernetzung führte bereits während der Veranstaltung zur Bildung erster selbstorganisierter Communities. Die neu entstandenen Kontakte sollen durch die Teilnehmenden, die Projektleitungen und die Sprecher:innenstrukturen der Auszubildenden-Stipendienprojekte weitergeführt werden.