Maren Steinebel: Kostümdesign auf den Spuren Mata Haris

Für eine große Projektarbeit im Studium der Kostümgestaltung suchte sich Maren Steinebel eine besondere Herausforderung: Aufgabe der Hochschule für Bildende Künste Dresden war es, ein historisches Kostüm nachzuarbeiten. Die Stipendiatin entschied sich für zwei Kleidungsstücke der Mata Hari. Die niederländische Tänzerin machte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Metropolen Europas Furore mit orientalisch inspirierten Choreographien, die sie in für die damalige Zeit gewagten Kostümen aufführte. Während des ersten Weltkriegs wurde sie von einem französischen Militärgericht als Spionin verurteilt und erschossen. Der Mythos Mata Hari ist bis heute Thema zahlreicher Bücher und Verfilmungen.

Maren Steinebel wählte für die Projektarbeit zwei Kleidungsstücke, die für den Aufstieg und das Ende der Künstlerin stehen: Das erste ist ein prächtiges und aufwändiges Kostüm im imaginierten Stil einer indischen Tempeltänzerin, das Mata Hari bei einer ihrer Aufführungen trug. Das zweite Kostüm bildet nicht nur farbtechnisch einen Kontrast, auch die Schlichtheit des Ensembles, das sie am Tag ihrer Verurteilung zum Tode trug, steht im Gegensatz zu ihrer Blütezeit als orientalisch-erotische Tänzerin.

Für die Rekonstruktion standen keine Originaltextilien, sondern lediglich zwei Fotografien zur Verfügung: eine kolorierte Postkarte und ein Foto, das wohl im Gerichtsgebäude entstanden ist. Für die Umsetzung war also weitere Recherche nötig, etwa zur Textilgeschichte und zur historischen Damenschnittkonstruktion. Welche Stoffe wurden in der damaligen Zeit für Kostüme verwendet und welche für Mäntel? Wie lässt sich der Schnitt rekonstruieren? Durch welche gestalterischen und verarbeitungstechnischen Details lässt sich der Charakter der Bilder erzählen?

Bei der eigentlichen Nacharbeitung waren zuerst Experimente und dann vor allem gute Kenntnisse und Geschick in unterschiedlichsten Techniken der Textilbearbeitung gefragt. Das Ergebnis begeistert: Sowohl das Tanzkostüm als auch die Kleidung vom Verurteilungstag wirken, als seien sie die Originale, wie sie auf den Fotografien zu sehen sind.

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Maren Steinebel besuchte zuerst die Realschule und machte danach das Abitur. Im Anschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Maßschneiderin am Deutschen Nationaltheater und Staatskapelle Weimar, die sie als Landesbeste in Thüringen abschloss. Mehrere Jahre arbeitete Maren Steinebel am Theater und Orchester Heidelberg, bis sie sich entschloss ein Studium in der Kostümgestaltung zu beginnen.

Erfolgreich bewarb sie sich bei der Hochschule für Bildende Künste Dresden und im ersten Semester auch um ein Aufstiegsstipendium. Das Studium hat Maren Steinebel 2017 mit dem Diplom und einer Gesamtnote von 1,2 abgeschlossen. Aktuell arbeitet sie als Herrengewandmeisterin und stellvertretende Leiterin der Kostümabteilung am Landestheater Detmold.

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