„Ich bin froh über meine Ausbildung und das Studium“

Nach der Mittleren Reife absolvierte Ann-Kathrin Maier eine Ausbildung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung. Über das Telekolleg des Bayerischen Kultusministeriums erwarb sie später die Fachhochschulreife und studierte erfolgreich Betriebswirtschaft an der TH Deggendorf. Jetzt arbeitet sie als Controllerin und profitiert dabei gleichermaßen von ihrer IT-Ausbildung und ihrem BWL-Studium.

 


Nach der Mittleren Reife haben Sie sich für einen IT-Beruf entschieden. Wie waren Sie darauf gekommen?
In der siebten Klasse musste ich mich an der Realschule für eine Fächergruppe entscheiden, entweder aus dem mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen, dem wirtschaftlichen oder dem sprachlichen Bereich. Da ich damals in Mathe die beste Note hatte, wählte ich den technischen Zweig. Dort hatte ich dann ab der neunten Klasse IT-Unterricht mit dem Schwerpunkt Programmieren. Das interessierte mich damals auch sehr und so entschied ich mich für eine Ausbildung zur Fachinformatikern für Anwendungsentwicklung.

Wie haben Sie Ihren Ausbildungsplatz gefunden?
In der IT gab es damals viele Ausbildungsstellen. Ich habe mich gleichzeitig auch für andere Ausbildungen beworben, zum Beispiel zur Industriekauffrau. Das hätte ich auch gerne gemacht. Aber da ich den technischen Bereich belegt hatte, war ich im Grunde schon auf diese Richtung festgelegt. Jedenfalls sahen das wohl die Ausbildungsbetriebe so.

Die IT-Ausbildung gefiel Ihnen trotzdem?
Die Ausbildung selbst gefiel mir sehr gut. Das Unternehmen musste aber während meines ersten Ausbildungsjahres leider etwa 90 der vorher 130 Mitarbeiter entlassen. Ich konnte meine Ausbildung zwar zu Ende führen und der Betrieb versuchte, sie nach Plan zu gestalten. Aber es war natürlich atmosphärisch ein großer Einschnitt und es entfielen auch die meisten der geplanten Abteilungswechsel während der Ausbildung.

Wie ging es nach der Ausbildung für Sie weiter?
Im Ausbildungsunternehmen konnte ich wegen der wirtschaftlichen Situation nicht bleiben. Ich fand aber ein anderes Unternehmen, wie der Betrieb zuvor in Passau, bei dem ich als Softwareentwicklerin anfangen konnte. Ich merkte aber bald, dass es nicht der Bereich ist, in dem ich mein ganzes Berufsleben lang arbeiten wollte. Ich überlegte, wie ich mich weiterbilden könnte, und kam relativ schnell darauf, Betriebswirtschaft zu studieren. Den Gedanken hatte ich schon während der zehnten Klasse der Realschule. Da ich kein Abitur hatte, holte ich zunächst die Fachhochschulreife nach.

Wo haben Sie die Fachhochschulreife erlangt?
Das habe ich über das Telekolleg des Bayerischen Kultusministeriums gemacht. Neben den täglichen Fernsehsendungen und den Büchern, in denen der Stoff vermittelt wurde, hatte ich jeden zweiten Samstag Unterricht an der Fachoberschule Passau. Hier wurde der Stoff wiederholt und man hatte Gelegenheit, Fragen zu stellen. Auf diese Weise konnte ich in Vollzeit weiterarbeiten. An der Fachoberschule hatte ich diesmal direkt den wirtschaftlichen Zweig gewählt. Nach zwei Jahren hatte ich dann die Fachhochschulreife erlangt und begann im nächsten Semester mein Studium.

An welcher Hochschule?
Mein Mann studierte bereits in einem dualen Studiengang Elektrotechnik an der TH Deggendorf. Da wir damals bereits zusammenwohnten, lag es nahe, mich ebenfalls dort einzuschreiben. Beim Betriebswirtschaft-Studiengang passte für mich ebenfalls alles und ich bekam auch einen Studienplatz.

Wie verlief Ihr Start ins Studium?
Durch das Telekolleg war ich es gewohnt, mir den Stoff selbst beizubringen. Schwerer fiel mir der Umstieg vom geregelten Arbeitsleben zum Studium mit den wechselnden Vorlesungszeiten und recht vielen Freistunden. In den Pausen zwischen den Veranstaltungen bildeten sich dann aber von selbst einige Gruppen, in denen wir uns über den Stoff unterhielten. Wir trafen uns dann auch zu Hause oder tauschten uns in einer Whatsapp-Gruppe aus. Wenn dort jemand eine Frage stellte, wusste eigentlich immer jemand die Antwort. Es gab auch einige Kommilitonen, die ähnlich wie ich nach einer Ausbildung studierten. Insofern passte es auch vom Hintergrund und vom Alter her.

Bei Ihrem Studium wurden Sie durch das Aufstiegsstipendium gefördert. Wie hatten Sie von dem Stipendium erfahren?
Mein Mann recherchierte nach Stipendien. Dabei stieß er auch auf das Aufstiegsstipendium und fand, dass es genau auf mich passen würde. So war es dann auch und ich bekam das Stipendium. Beworben hatte ich mich während meines ersten Semesters. Bei einem anderen Stipendium, das für meinen Mann infrage gekommen wäre, war er leider nicht erfolgreich. Aber so wurde wenigstens eine aus dem Haushalt gefördert. (lacht)

Wie sehr hat das Stipendium Ihnen beim Studium geholfen?
Das Stipendium war eine sehr große Hilfe, weil ich so die Zeit hatte, intensiv zu lernen und mich ganz auf das Studium zu konzentrieren. Im ersten Semester hatte ich noch einen Studentenjob. Da ich an der Hochschule viele Freistunden und Wartezeiten hatte, war es aber schwierig, auf Dauer einen passenden Nebenjob zu finden – auch abends, weil die Vorlesungen teilweise bis halb neun gingen. Das Studium konnte ich dann mit 1,5 gut abschließen.

Wie ging es nach dem Bachelor-Abschluss für Sie weiter?
Ich arbeite als Controllerin bei einer Einkaufsgemeinschaft für Strom und Gas in der Nähe von Passau. Eine solche Stelle hätte ich ohne das Betriebswirtschaft-Studium natürlich nie bekommen. Das Schöne ist, dass ich dort mein Studium sehr gut einbringen kann, mir aber auch mein IT-Background aus der Ausbildung und der früheren Berufstätigkeit sehr hilft. Ich habe zum Beispiel keine Probleme, mich in neue Software einzuarbeiten. Wenn es darum geht, Auswertungen durchzuführen, werde ich häufig von den neuen Kollegen um Rat gefragt. Ich bin jetzt sehr froh über meine Ausbildung und auch das Studium. Vielleicht beginne ich irgendwann ein berufsbegleitendes Master-Studium, aber jetzt freue ich mich, das tun zu können, was ich wirklich gerne mache.

Ihr Tipp an Berufstätige, die über ein Studium nachdenken?
Wer darüber nachdenkt, sollte es auch machen. Sonst wird man sich später vorwerfen, dass man es nicht versucht hat. Natürlich kann es passieren, dass es nicht klappt, aber das erfährt nur, wer es ausprobiert.

Interview: Heinz Peter Krieger