„Wenn man sich bewusst für etwas entscheidet, dann klappt es auch“

Cécilia Jurcut geht Schritt für Schritt voran (Foto: Monique Haas)

Kurz nach ihrer Ausbildung begann Cécilia Jurcut ihre Weiterbildung zur Friseurmeisterin, die sie als Jahrgangsbeste an der Handwerkskammer Koblenz abschloss. Künftig zieht es sie in den Lehrerberuf, um Schülerinnen und Schüler von den Perspektiven in handwerklichen Berufen zu überzeugen.

Nach Ihrem Hauptschulabschluss haben Sie eine Ausbildung zur Friseurin absolviert. Wie waren Sie auf diesen Beruf gekommen?
Ich habe schon während der Schulzeit immer gerne mit Haaren experimentiert und Freundinnen die Haare geflochten oder gefärbt. An der Schule gab es auch Tage zur Berufsorientierung, zu denen Kompetenzchecks gehörten. Bei mir kam heraus, dass ich etwas Kreatives machen sollte. Ich hatte auch einen ersten Schnuppertag in einem Friseursalon. Den fand ich noch gar nicht so toll, weil da eher das Putzen im Vordergrund stand. Aber mir war früh klar, dass ich bald arbeiten gehen wollte. In den Sommerferien nach dem neunten Schuljahr, nach meinem Schulabschluss, habe ich ein dreiwöchiges Praktikum in einem Friseursalon in Koblenz absolviert. Am Anfang fand ich es noch ziemlich anstrengend, aber am Ende des Praktikums war mir klar, dass es genau das sein sollte.

Wurde das auch Ihre Ausbildungsstelle?

Nein, das war ein anderer Betrieb in Neuwied. Eine Freundin hatte dort ihre Ausbildung gemacht und davon geschwärmt. Es war ein ziemlich besonderer Ausbildungsbetrieb, weil die Kette ein internes College für die Auszubildenden hatte. Die Azubis wurden schon im ersten Lehrjahr dahingehend geschult, früh mitzuarbeiten. Das klang sehr interessant, ich stellte mich vor und am nächsten Tag durfte ich schon zur Probe arbeiten. Eine Woche später hatte ich die Ausbildungsstelle.

Hat die Ausbildung Ihre Erwartungen erfüllt?
Sogar mehr als das. Über meine Ausbildungszeit kann ich nur Positives berichten. Eine richtige Vorstellung von der Ausbildung hatte ich vorher gar nicht, aber ich hatte direkt den Eindruck, dass der Friseurberuf sehr vielfältig ist. Das gefällt mir bis heute an dem Beruf: Man kann in den Vertrieb gehen, in die Maskenbildnerei oder zum Theater, für Shows frisieren, natürlich in einem Salon bleiben oder einen Lehrberuf ergreifen. Wenn ich nach fünf Jahren etwas anderes hätte machen wollen, wären die Chancen auch da gewesen.

Welchen Weg haben Sie gewählt?

Ich blieb noch ein halbes Jahr bei der Kette und wechselte dann die Stelle. Nicht, weil etwas nicht stimmte, sondern weil ich einfach noch etwas anderes sehen wollte. Mir war auch schon im ersten Lehrjahr klar, dass ich sofort den Meister machen wollte, und hatte bereits vom Weiterbildungsstipendium gehört. Ich wusste, dass man dafür eine bestimmte Abschlussnote braucht, und habe mich entsprechend angestrengt.

Wie hatten Sie vom Weiterbildungsstipendium erfahren?

Von meiner damaligen Chefin. Sie hatte selbst direkt nach der Ausbildung den Meister gemacht und es fehlten ihr zwei Punkte, um sich um das Weiterbildungsstipendium bewerben zu können. Deshalb riet sie mir, mich anzustrengen und einen guten Abschluss zu machen.

Schon kurz nach der Ausbildung begann Cécilia Jurcut die Weiterbildung zur Friseurmeisterin (Foto: Monique Haas).

Dann folgte direkt die Weiterbildung zur Friseurmeisterin?
Die Weiterbildung begann acht Monate nach Ende meiner Ausbildung. Zu dem Zeitpunkt war ich auch schon ins Weiterbildungsstipendium aufgenommen worden. Ich war lernbegierig, meine Ansprechpartnerin bei der Handwerkskammer Koblenz, die sich auch um das Weiterbildungsstipendium kümmerte, half mir sehr, und so meldete ich mich bei der Handwerkskammer an.

Wie lange dauerte die Weiterbildung?
Mit den Prüfungen waren es acht Monate in einem Vollzeitlehrgang. Die Kosten dafür wurden vom Weiterbildungsstipendium übernommen. In meinem damaligen Friseursalon konnte ich in Teilzeit weiterarbeiten. Damit hatte ich noch eine Einnahmequelle für meinen Lebensunterhalt. Außerdem war es schön, während des Lehrgangs praktisch arbeiten zu können. So stand ich auch nicht während der Prüfung da und dachte: ‚Oh, der letzte Haarschnitt ist aber schon eine Weile her.‘

Aus welchen Teilen bestand der Lehrgang?

Die Weiterbildung war in vier Teile aufgeteilt. Das waren ein pädagogischer Teil, zu dem auch der Ausbilderschein gehörte, ein wirtschafts- und verwaltungstechnischer Part, zum Beispiel mit Kosten- und Betriebsrechnung, sowie ein fachpraktischer und fachtheoretischer Teil. Damit kam ich sehr gut zurecht. Wir hatten wirklich tolle Dozenten, die sich sehr gut um uns kümmerten. Auch der wirtschaftliche Teil, vor dem viele großen Respekt hatten, wurde verständlich vermittelt. Sobald das Interesse da ist und man zu verstehen versucht, was dahintersteckt, ist es kein Hexenwerk, und es macht richtig Spaß. Die Weiterbildung beendete ich als Jahrgangsbeste der Handwerkskammer mit der Note 2,2.

Wie ging es als Meisterin weiter?
Ich ging zu einer anderen Kette und leitete dort bis vor Kurzem einen Salon. Ich hatte mir die Aufgabe etwas anders vorgestellt, weil ich dachte, dass ich mich viel intensiver mit den Auszubildenden beschäftigen könnte, was ich sehr gerne gemacht hätte. Dafür blieb aber wenig Zeit. Deshalb überlegte ich, wie ich komplett in die Lehrtätigkeit wechseln konnte, und habe schließlich ein Lehramtsstudium an der Universität Koblenz-Landau begonnen.

Für welches Lehramt?

Für das Lehramt an der Realschule plus, in den Fächern Wirtschaft und Arbeit sowie Geschichte. Aufgrund meines Meisters darf ich damit später auch an Berufsschulen unterrichten. Das Fach Wirtschaft und Arbeit habe ich gewählt, weil die Kinder auf den früheren Hauptschulen und Realschulen, die in Rheinland-Pfalz in der Realschule plus zusammengeführt wurden, immer seltener in Betracht ziehen, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen. Ich möchte ihnen zeigen, dass auch diese Berufe spannend sein können und Perspektiven bieten, sie beim Schreiben von Bewerbungen unterstützen und so weiter.

Wie haben Sie den Start an der Uni empfunden?
Ich bin fast nur mit Erstsemestern zusammen, die bislang nichts anderes als Schule kennengelernt haben. Da treffen im persönlichen Bereich Welten aufeinander, was ja nicht negativ sein muss. Es ist interessant und ich freue mich darauf. Eine meiner Hochschullehrerinnen war selbst Friseurin, hat ihren Meister gemacht und kurz danach ihr Studium begonnen. Sie habe ich mir ein wenig zum Vorbild genommen.

Was raten Sie anderen Personen, die überlegen, eine Weiterbildung zu beginnen?
Sie sollten sich gut darüber informieren, was in der Weiterbildung und in den Prüfungen von ihnen verlangt wird und was auf sie zukommt, sich aber auf keinen Fall davon abschrecken lassen. Viele zweifeln an ihrem Können und trauen sich deshalb nicht. Mein Rat ist, sich anzumelden und die Weiterbildung zu beginnen. Wenn man sich bewusst für etwas entscheidet, dann klappt es auch.

Interview: Heinz Peter Krieger