Förderung durch das Weiterbildungsstipendium: „Die Chance wollte ich nutzen“

Foto von Michelle Drücke

Nach ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolvierte Michelle Drücke verschiedene Weiterbildungen im Bereich Ernährungs- und Gesundheitsberatung. Ihr Ziel ist eine Leitungsposition mit der Möglichkeit, selbst auszubilden – spätere Selbstständigkeit nicht ausgeschlossen.

Frau Drücke, Sie haben eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolviert. Wie waren Sie auf diesen Beruf gekommen?
Nachdem ich auf einer Gesamtschule den Realschulabschluss gemacht hatte, besuchte ich eine Berufsfachschule in Offenbach, im Fachbereich Sozialwesen. Dort erlangte ich in zwei Jahren die Fachhochschulreife. Das erste Jahr bestand aus einem Jahrespraktikum, das ich in einer Krabbelstube einer Kindertagesstätte absolvierte. Die Idee, nach dem Fachabitur eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin zu machen, traf mich dabei wie ein Geistesblitz. Ich erzählte abends meiner Mutter davon und sie sagte gleich, dass sie sich das gut vorstellen könne. In dem Gespräch erfuhr ich erst, dass meine Oma, die ich nie kennengelernt hatte, Hauswirtschaftsmeisterin war. Das war wie einen Wink des Schicksals und ich blieb bei der Entscheidung.

Was reizte Sie an dem Beruf – abgesehen vom Geistesblitz?
Ich habe immer gerne im Haushalt geholfen und in der Kindertagesstätte konnte ich während meines Jahrespraktikums die dort angestellte Hauswirtschafterin beobachten. Sie hatte eine enge Beziehung zu den Kindern, aber es standen natürlich die hauswirtschaftlichen Aufgaben im Mittelpunkt. Das gefiel mir sehr gut, weil ich gerne mit den Kindern arbeitete, mir das aber noch nicht genug war. Ich bin jemand, der sehr aktiv sein muss. Für das Kochen und gesunde Ernährung hatte ich mich schon immer interessiert. Einige Lehrer der Fachschule empfahlen mir, im Bereich Sozialwesen zu studieren. Ich fand aber, dass die Ausbildung zur Hauswirtschafterin das Richtige für mich sein müsste.

Wo haben Sie die Ausbildung absolviert?
In meiner direkten Umgebung, in der Nähe von Offenbach, war im Bereich Hauswirtschaft nichts zu finden, aber die Stadt Wiesbaden hatte zwei Ausbildungsstellen zur Hauswirtschafterin in einem Seniorentreff und in einer Kita ausgeschrieben. Im Vorstellungsgespräch vereinbarten wir, dass ich in beiden Betrieben ein jeweils dreitägiges Praktikum machen sollte und dann entscheiden durfte, wo ich die Ausbildung absolvieren wollte. Ich entschied mich für den Seniorentreff.

Wie gefiel Ihnen die Ausbildung?
Die Ausbildung hat meine Erwartungen vollkommen erfüllt. Ich war mit zwei weiteren Auszubildenden in einem Ausbildungsjahr. Wir konnten zusammen an den verschiedenen Aufgaben wachsen, mal einfacheren, mal schwierigeren, und uns gegenseitig unterstützen, gerade in der Prüfungszeit. Besonders gefiel mir, dass die Aufgaben so vielfältig waren und man immer flexibel sein musste. Die sozialen Kompetenzen werden in dem Beruf sehr gefordert. Und es war ein tolles Gefühl, die Gäste zu verwöhnen.

Konnten Sie nach der Ausbildung in dem Seniorentreff weiterarbeiten?

Nein, feste Stellen als Hauswirtschafterin wurden damals vor allem in Kitas angeboten, aber nicht als volle Stellen. Ich orientierte mich deshalb noch einmal neu, schrieb viele Bewerbungen und machte einige Praktika. Schließlich ging ich zum Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach. Dort war ich zunächst als Hauswirtschafterin in einem Kinderheim in Frankfurt beschäftigt, das leider nach 14 Monaten geschlossen werden musste, weil zu wenige Kinder dort lebten. Ich konnte aber als Hauswirtschafterin in eine Jugendwohngruppe des Evangelischen Regionalverbands wechseln, in der ich heute noch arbeite.

Wie erfuhren Sie von der möglichen Förderung durch das Weiterbildungsstipendium?
Die IHK Wiesbaden teilte mir in einem Brief mit, dass ich die Möglichkeit hätte, mich um ein Weiterbildungsstipendium zu bewerben. Ich war völlig überrascht, weil ich von dem Stipendium noch nie gehört hatte und zu der Zeit eigentlich mit dem Gedanken spielte, Ökotrophologie zu studieren. Das Weiterbildungsstipendium bot mir dann aber die Chance, mich gezielt im Bereich Ernährung und Gesundheit weiterzubilden, und die Chance wollte ich nutzen.

Wie haben Sie die passenden Weiterbildungen ausgewählt?

Ich konnte mich intensiv mit meiner Ansprechpartnerin bei der IHK austauschen, um herauszufinden, welche Weiterbildungen infrage kamen und sinnvoll waren. Angefangen habe ich mit zwei Online-Weiterbildungen. Zunächst mit einem Kurs der IHK zur Ausbildereignungsprüfung, weil ich wusste, dass ich später auch die Weiterbildung zur Meisterin der Hauswirtschaft absolvieren wollte, danach folgte ein Kurs zur Ernährungsberaterin.

Die nächsten Weiterbildungen waren Präsenzveranstaltungen?

Genau. Meine neue Beraterin bei der IHK machte mich auf die Kurse der ‚Akademie Gesundes Leben‘ aufmerksam. Das ist ein Seminarhaus in Oberursel. Ich fand ein viertägiges Seminar zur Beraterin für Darmgesundheit sehr interessant, weil über dieses Thema viele nicht gerne sprechen. Das habe ich nach Rücksprache mit der IHK auch belegt und anschließend gleich noch zwei weitere Weiterbildungen in der Akademie, weil mir das Seminar so gut gefallen hatte.

Um welche Themen ging es bei den folgenden Seminaren?
Das war zum einen ein Seminar zur Praxis der Ernährungspsychologie, das in drei Blöcken an jeweils fünf Tagen stattfand. Direkt im Anschluss daran habe ich ein Seminar zur Gesundheitsberaterin mit vier Terminen à fünf Tagen begonnen. Diese Weiterbildung wird mit einer IHK-Prüfung abgeschlossen. Eigentlich hätte ich bald meine Prüfung, diese wurde aber wegen der Corona-Pandemie um zwei Monate verschoben. Damit ist das Budget meiner Förderung durch das Weiterbildungsstipendium auch ausgeschöpft. Ich habe aber parallel mit dem Lehrgang zur Meisterin der Hauswirtschaft beim Bildungswerk des Hausfrauen-Bunds Hessen begonnen. Für die Meister-Weiterbildung kann ich das Aufstiegs-BAföG in Anspruch nehmen.

Wie gut können Sie die Weiterbildungen mit Ihrer Berufstätigkeit vereinbaren?
Es erfordert schon viel Selbstdisziplin und ist neben der Vollzeitarbeit auch anstrengend. Aber ich war immer ehrgeizig und weiß, wie ich mich organisieren muss, sodass es bislang eigentlich immer gut funktioniert hat. Mit dem Stoff für die Online-Weiterbildungen habe ich mich zum Beispiel auch während meiner knapp einstündigen Bahnfahrt zur und von der Arbeit befasst, mit Laptop und Manuskript.

Was sind Ihre weiteren beruflichen Pläne?

Wenn ich den Meisterbrief habe, möchte ich gerne eine Leitungsposition übernehmen und auch selbst ausbilden. Ich glaube, dass es mir gut liegt, die Organisation und die Verantwortung zu übernehmen, die zu einer solchen Position gehören. Ich kann mir auch vorstellen, mich später als Ernährungs- und Gesundheitsberaterin selbstständig zu machen. Für die Chance, die entsprechenden Weiterbildungen absolvieren zu können, bin ich sehr dankbar. Ich merke jetzt schon bei meiner Arbeit als Hauswirtschafterin in der Jugendwohngruppe, dass man immer wieder auf Ernährungsthemen zurückkommt. Meine Gesprächspartner merken dann schnell, dass ich mich in dem Bereich bereits gut auskenne. Es ist schön, das gleich in die Praxis einbringen zu können. Von diesen Erfahrungen kann ich nur profitieren.

Ihr Tipp für die Wahl der richtigen Weiterbildungen?
Ich finde es wichtig, sich mit anderen Menschen über die Pläne auszutauschen. Gerade Berater im Weiterbildungsbereich haben oft sehr viel Erfahrung. Durch meine Gespräche in der IHK in Wiesbaden bin ich auf viele Angebote gestoßen, auf die ich sonst wahrscheinlich nicht gekommen wäre. Meine Beraterinnen haben sich dafür wirklich viel Zeit genommen.

Interview: Heinz Peter Krieger