Goldmedaillengewinner Valmir Dobruna: „Das Weiterbildungsstipendium ist eine große Hilfe“

Gold bei den Euroskills: Valmir Dobruna (links) und Teamkollege Marc Armbrüster

Valmir Dobruna kam mit vier Jahren mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Deutschland. Nach seinem Hauptschulabschluss absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Maler und Lackierer, anschließend eine weitere Ausbildung als Stuckateur mit der Abschlussnote 1,5. Zur Unterstützung seiner Meisterausbildung erhält er das Weiterbildungsstipendium, vergeben von der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald. Bei den Euro Skills 2014, den Europameisterschaften der Berufe, gehörte er zum deutschen Team und gewann im französischen Lille die Goldmedaille im Wettbewerb für Stuckateure.

Herr Dobruna, Handwerker stehen bei ihrer alltäglichen Arbeit meist nicht so in der Öffentlichkeit. Wie war es im vergangenen Jahr, vor mehreren tausend Besuchern als Stuckateur an den Euro Skills in Lille teilzunehmen?
Mein Teamkollege Marc Armbrüster und ich arbeiteten auf einer abgegrenzten Fläche, das Publikum konnte aber von außen zuschauen. Uns unterstützten die zehn Mitglieder des deutschen Nationalteams der Stuckateure, die alle vor Ort waren, und auch der Sponsor und unsere Familien. Es war also viel los und die Zuschauer guckten uns richtig auf die Finger. Aber wir waren so konzentriert auf unsere Arbeit, dass wir das erst richtig mitbekommen haben, als unser Werkstück fertig war und wir uns umdrehten. Da waren wir schon erstaunt.

Und dann gewannen Sie auch noch die Goldmedaille.
Als die Werkstücke fertig waren, rechneten wir zwar damit, dass wir unter den drei Besten landen könnten, aber nicht mit der Goldmedaille. Außerdem erzielten wir nicht nur im Stuckateurhandwerk, sondern unter allen deutschen Teilnehmern die höchste Punktzahl. Dadurch haben wir sogar zwei Goldmedaillen gewonnen. Das war natürlich ein tolles Gefühl.

Die Euro Skills sind die Europameisterschaften der Berufe. Wie setzte sich das deutsche Team zusammen?
Wir waren 21 Teilnehmer in 15 verschiedenen Berufen. Je nach Beruf bestanden die Teams aus ein bis drei Personen. Im Stuckateurhandwerk durften jeweils zwei Personen antreten.

Wie haben Sie sich für das Team qualifiziert?
Ich war bereits im zehnköpfigen Nationalteam der Stuckateure. Dafür konnte ich mich im Bundesleistungswettbewerb qualifizieren. In dem Nationalteam präsentieren wir unseren Beruf, machen Image-Arbeit, nehmen aber auch an Seminaren und Weiterbildungen im Ausbildungszentrum in Leonberg teil. Intern gibt es dann weitere Ausscheidungen für die Europa- und die Weltmeisterschaften. Dabei qualifizierten mein Teamkollege und ich uns für die Euro Skills. Dass ich dort für Deutschland antreten durfte, hat mich sehr gefreut.

Sie waren vier Jahre alt, als Sie mit Ihrer Familie aus dem Kosovo nach Deutschland kamen. Spielte Ihre Herkunft eine Rolle in der Schule oder bei der Berufswahl?
Das hat keine große Rolle gespielt. Wir sind noch vor dem Ausbruch des Krieges im Kosovo nach Deutschland gekommen und ich bin dann hier ganz normal in die Kita und in die Schule gegangen. Da gab es keine großen Unterschiede zu den anderen Kindern.

Die Hauptschule haben Sie als Stufenbester abgeschlossen. Haben Sie damals auch überlegt, die Schullaufbahn fortzusetzen?
Nein, ich habe schon als Kind immer gerne handwerklich gearbeitet und wollte auch beruflich in diese Richtung gehen. Die Mittlere Reife habe ich dann mit der Ausbildung an der Berufsschule erlangt.

Warum entschieden Sie sich für eine Ausbildung zum Maler und Lackierer?

Mir hat schon in der Hauptschule immer die praktische und technische Arbeit viel Spaß bereitet. Nach dem Hauptschulabschluss habe ich ein Praktikum in einer Malerfirma gemacht, die mir anschließend einen Ausbildungsplatz anbot. Also habe ich zunächst die dreijährige Ausbildung zum Maler und Lackierer absolviert.

Und weshalb dann noch die Spezialisierung als Stuckateur?

Mein Vater ist Stuckateur und schlug mir vor, diese Ausbildung ebenfalls zu absolvieren. Ich wollte gerne weiterlernen und habe deshalb auch die zweite Ausbildung gemacht. Wegen der ersten Ausbildung wurde die Ausbildung zum Stuckateur um ein Jahr auf zwei Jahre verkürzt.

Wie empfanden Sie in Ihrer Ausbildung den praktischen Teil und das Lernen an der Berufsschule?
Das Lernen hat mir Spaß gemacht und ich habe sehr viel dazugelernt. Eine große Umstellung war es für mich aber nicht. Es hat eher einiges vertieft, weil es nun speziell in eine Richtung ging.

Was ist das Schöne an der Arbeit als Stuckateur?

Sie bringt viel Abwechslung. Wir sind nicht jeden Tag auf derselben Baustelle und es gehören Innen- und Außenarbeiten dazu. Und durch die Arbeit mit Elementen aus Stuck hat sie auch eine künstlerische Seite.

Die Ausbildung haben Sie mit der Note 1,5 abgeschlossen und sich anschließend um ein Weiterbildungsstipendium beworben. Wie haben Sie von dem Stipendium erfahren?
Während der Ausbildung zum Stuckateur hatte ich mich mit einem Klassenkameraden über die Meisterschule unterhalten. Er gab mir den Tipp, dass man sich mit einem guten Notenschnitt um ein Weiterbildungsstipendium bewerben kann. Also habe ich mich beworben, und es hat auch geklappt.

Wie hilft Ihnen das Stipendium bei der Meisterausbildung?

Die Kosten für die Meisterausbildung sind recht hoch, und ich verdiene während dieser Zeit nichts. Dazu kommen bei mir noch die Fahrt- und Wohnungskosten, weil ich eigentlich in llvesheim bei Heidelberg lebe, die Meisterschule aber in Stuttgart ist. Dort habe ich jetzt eine Wohnung genommen. Darum ist das Weiterbildungsstipendium eine große Hilfe bei der Finanzierung. Ich kann es nur empfehlen.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach der Meisterprüfung?

Im Moment bin ich in der Vorbereitung auf die schriftliche und die praktische Meisterprüfung. Anschließend möchte ich erst noch etwas Berufserfahrung sammeln, aber irgendwann auch mein eigener Chef sein – also meinen eigenen Betrieb aufmachen und für mich arbeiten.

Und dann selbst ausbilden?

Ja, genau. (lacht)

Das Interview führte Heinz Peter Krieger