Maskenbildnerin Julia Deckert: „Die Weiterbildung in England war wirklich ein Highlight“

Julia Deckert absolvierte nach ihrem Abitur eine Ausbildung zur Maskenbildnerin am Deutschen Nationaltheater in Weimar. Unterstützt durch das Weiterbildungsstipendium konnte sie ganz unterschiedliche Weiterbildungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien belegen. In unserem Interview erzählt sie, wie sie von ihren Fortbildungen profitiert, und von ihrer Liebe zum Theater.

Frau Deckert, nach Ihrem Abitur haben Sie eine Ausbildung zur Maskenbildnerin absolviert. Wie waren Sie auf diesen Beruf gekommen?
Als Kind hatte ich schon immer gerne gezeichnet und mich künstlerisch betätigt. Ich mag generell kreatives und handwerkliches Arbeiten. Nach dem Abitur absolvierte ich unter anderem einen Freiwilligendienst in der Maskenbildnerei im Theater meiner Heimatstadt Erfurt. Das war praktisch die Voraussetzung für die spätere Ausbildung zu Maskenbildnerin, weil man dafür entweder eine Friseurausbildung oder ein einjähriges Praktikum am Theater vorweisen muss. Dort lernte ich die Grundlagen kennen, konnte schon praktisch in der Maske arbeiten und am Vorstellungsbetrieb im Theater teilnehmen. Mir war schnell klar, dass ich mit meiner Vorliebe für Film und Theater als Maskenbildnerin arbeiten wollte.

War es schwierig, eine Ausbildungsstelle zu bekommen?
Ja, es gibt zahlreiche Bewerbungen und an vielen Theatern gibt es eine Eignungsprüfung, bei der man schon frisieren, schminken und knüpfen muss. Ich hatte mich in Theatern in ganz Deutschland beworben und erhielt schließlich eine Zusage vom Deutschen Nationaltheater Weimar. Dass es gerade im Theater in der Nachbarstadt klappen würde, hätte ich selbst nicht gedacht.

Wie war die Ausbildung in Weimar? Den Theaterbetrieb kannten Sie ja schon.
Das Theater Erfurt ist im Grunde ein Opernhaus, das Deutsche Nationaltheater besteht dagegen aus Schauspiel und Oper. Es kam für mich also noch einmal ein ganz anderer Zweig hinzu. Die Ausbildung hat meine Erwartung auf jeden Fall erfüllt. Während der Ausbildung wurde ich schon in die Abenddienste eingeteilt. Und ich konnte im Jugendtheater eigene Stücke betreuen. Ich war verantwortlich für die Vorplanung und traf mich mit den Ausstattern, die festlegen, wie die Figuren aussehen und gekleidet sein sollen. Nach diesen Vorlagen arbeiten wir dann und sind bei den Endproben dabei. Positiv fand ich auch, dass es eine duale Ausbildung mit einem Berufsschulteil war. Meine Berufsschule war in Hamburg, immer mit sechswöchigem Blockunterricht.

Was wurde an der Berufsschule vermittelt?
Wir hatten verschiedene Fächer von Maskenbau und Frisurengestaltung bis zu Kunst- und Kulturgeschichte, Wirtschaft und Gesellschaft. In der Maske arbeiteten wir mit vielen Materialien und Gefahrenstoffen, die eine bestimmte Handhabung erfordern und bei denen man über das entsprechende theoretische Wissen verfügen muss. Wir nahmen aber auch alle Epochen durch, lernten die historischen Frisuren kennen, aber auch fachliches Englisch. Das sind ganz wichtige Grundlagen für die Ausbildung. Für die Abschlussprüfung mussten wir zum Beispiel alle Epochen lernen – mit Zeitgeist, Architektur, Kleidung, Frisuren, Pflege und Hygiene in der jeweiligen Zeit.

Sind Sie nach Ausbildung am Nationaltheater in Weimar geblieben?
Nach meiner Ausbildung wurde ich vom Nationaltheater übernommen. Zwischenzeitlich arbeitete ich auch für die Musicalproduktion ‚Tanz der Vampire' in Köln, hatte dann aber wieder Sehnsucht nach der größeren Abwechslung eines Mehrspartenhauses und kehrte nach Weimar zurück.

Wie hatten Sie vom Weiterbildungsstipendium erfahren?
Ich wurde durch meine Cousine darauf aufmerksam, die das Stipendium ebenfalls erhielt. Ich habe mich dann kundig gemacht und mich nach dem erfolgreichen Abschluss meiner Ausbildung bei der IHK Erfurt um das Weiterbildungsstipendium beworben. Nach ein oder zwei Monaten erhielt ich eine positive Antwort.

Wie haben Sie die Weiterbildungen ausgewählt, die durch das Weiterbildungsstipendium gefördert wurden?
Nach meiner Station bei ‚Tanz der Vampire‘ besuchte ich einen Intensivsprachkurs am College International in Cannes. Ich wollte mich gerne auch international weiterbilden und mein Französisch verbessern. Vorher hatte ich bereits Praktika in einer Perückenmacherschule in Toulouse und im Disneyland in Paris absolviert. Bei der zweiten Weiterbildung ging es um ‚realistische Unfallgestaltung und Bondo-Transfer‘. Ich wollte neues Material kennenlernen und stieß auf die Make Up Artistry in Berlin, die die zweitägige Weiterbildung anbot. Bondo ist ein Material, das dazu genutzt werden kann, um Gesichtsteile mit hauchzarten Übergängen herzustellen. Anschließend wollte ich das Weiterbildungsstipendium für eine längerfristige Weiterbildung nutzen. Ich stieß auf das Gorton Studio in Aylesbury in England, das sich insbesondere mit filmtauglichen Gesichtsteilen und Special Effects befasst. Dort nahm ich in der Sommerpause vor der neuen Theaterspielzeit an dem siebenwöchigen Kurs ‚Makeup FX and Prosthetics Creation‘ mit dem Tutor Dan Fry teil, der auf Produktionen wie ‚Games of Thrones‘ oder ‚Harry Potter‘ gearbeitet hat.

Was gehörte alles zum Lehrgang in Großbritannien?
Die Weiterbildung in England war das Tollste, was mir das Weiterbildungsstipendium ermöglichte. Ich nahm mit sechs Mitschülern aus aller Welt Gesichtsdrücke ab, modellierte Teile und formte sie ab und erstellte am Ende des Kurses ein Abschlussprojekt nach meinem eigenen Entwurf, einem Spinnen-Make-up. Wir hatten verschiedene Gastlehrer, die mit uns unterschiedliche Themen durchnahmen, bis hin zu digitalem Modellieren. In einer benachbarten Werkstatt, die laufend neue Teile für Serienproduktionen erstellt, schauten wir Künstlern über die Schulter, die mit den gleichen Materialien arbeiteten wie wir. Ich bekam Kontakt zu Maskenbildnern, die großartige Arbeit an Filmproduktionen geleistet hatten, und ich konnte mein Englisch nutzen. Es war wirklich ein Highlight.

Konnten Sie die Erfahrungen beruflich schon nutzen?
Ich bin sehr froh, dass ich das Weiterbildungsstipendium voll ausgeschöpft habe. Den Nutzen der Weiterbildungen sehe ich vor allem perspektivisch. Seitens der Ausstatter gibt es immer wieder neue Anforderungen, was bestimmte Teile oder Formenbauten angeht, und ich gehe davon aus, dass ich meine Weiterbildungen dafür werde nutzen können. Ich finde die Abwechslung durch den laufenden Vorstellungsbetrieb im Theater und die ständig neuen Produktionen sehr schön. Dort möchte ich bleiben und mein Wissen zu Gesichtsteilen und Masken einbringen und anwenden.

Sie haben ganz unterschiedliche Fortbildungen absolviert. Was raten Sie anderen Berufstätigen für die Auswahl aus der Fülle von Weiterbildungsangeboten?
Es ist immer gut, Weiterbildungen zu machen, die in bestimmten Bereichen sehr gefragt sind, wie bei mir die Arbeit an Gesichtsteilen. Sinnvoll sind auch fachübergreifende Weiterbildungen, wie Rhetorik oder Software-Schulungen. Da gibt es unbegrenzte Möglichkeiten – Hauptsache, es hilft einem im Berufsleben weiter. Und gerade in Kursen im Ausland lernt man häufig ganz neue Techniken und Arbeitsweisen kennen.

Interview: Heinz Peter Krieger