„Das Weiterbildungsstipendium war für mich wie ein Hauptgewinn“

Aglaia Peutz probierte mehrere Berufe aus, bis sie feststellte, dass die Altenpflege der richtige Bereich für sie ist. Schon kurz nach ihrer Ausbildung bildete sie sich, unterstützt durch das Weiterbildungsstipendium, zur staatlich anerkannten Fachpflegekraft in der Gerontopsychiatrischen Pflege weiter und möchte sich in diesem Gebiet weiter spezialisieren.

Frau Peutz, nach der Mittleren Reife haben Sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin absolviert. Wie kamen Sie auf diesen Beruf?
Nach der Schulzeit hatte ich mehrere Berufe ausprobiert und Ausbildungen begonnen, aber wieder abgebrochen. Ich hatte nie das Gefühl, dass ein Beruf zu mir passte. Nach einem weiteren Fehlschlag dachte ich darüber nach, wie ich aus der Situation herauskommen konnte. Mir war oft empfohlen worden, mir den Pflegebereich anzuschauen, der für mich nie infrage kam. Jetzt beschloss ich aber, es einmal mit einem Beruf zu versuchen, von dem ich eigentlich dachte, dass er überhaupt nichts für mich ist. Das war natürlich etwas ungewöhnlich. Ich machte also ein zweiwöchiges Praktikum in einem Altenpflegeheim. Dort überzeugte mich die Herzlichkeit der Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit den Menschen, wie professionell sie mit schwierigen Situationen und ethnischen Konflikten umgingen und wie gut das Teamwork war. Danach war für mich klar, dass ich eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen und sie diesmal auch beenden wollte.

Wie haben Sie Ihre Ausbildungsstelle gefunden?

Ich habe ein einjähriges Praktikum in einer anderen Pflegeeinrichtung gemacht, die das Praktikum regulär vor der dreijährigen Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin anbot. Ich fand aber, dass meine Aufgaben weit über die einer Praktikantin hinausgingen, ohne dass ich dafür die entsprechende Anleitung und Begleitung bekam. Deshalb wechselte ich vor Beginn der Ausbildung in eine andere Pflegeinrichtung in Schafflund in der Nähe von Flensburg. Außerdem hatte ich während des Praktikums gemerkt, dass ich einen guten Zugang zu kognitiv eingeschränkten Menschen habe, und das Pflegeheim, in dem ich dann meine Ausbildung absolvierte, hatte einen spezialisierten Bereich für Menschen mit Demenz.

Wie verlief die Ausbildung?

Ich war trotz des einjährigen Praktikums überrascht, was von einer Pflegefachkraft alles an Fachwissen erwartet wird. Auf jeden Fall merkte ich, dass es kein Job für jeden ist. In der Pflegeschule, der Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe in Itzehoe, hatte ich tolle Dozenten und in meinem Ausbildungsbetrieb einen sehr guten Praxisanleiter. Das hohe Leistungsniveau hat mich sehr angespornt. Ich hatte gute Noten und schloss die Ausbildung mit einer 1,3 ab. Damit habe ich mich selbst überrascht, weil ich zuvor nie gute Schulnoten hatte. Das zeigte mir auch, dass Noten nicht immer das sind, worauf es ankommt. Viele Menschen entwickeln sich im Laufe ihres Lebens noch ein ganzes Stück weiter. Sonst hätte ich auch das Weiterbildungsstipendium nicht erhalten. Die Voraussetzungen dafür erarbeitete ich mir erst in der Ausbildung.

Wann hatten Sie vom Weiterbildungsstipendium erfahren?
Schon in meinem ersten Lehrjahr. Bei den Dozenten der Pflegeschule war es gut bekannt und sie erzählten davon. Damals machte ich mir aber noch keine Gedanken darüber. Richtig beschäftigte ich mich erst im dritten Lehrjahr damit, als es bei den guten Noten blieb.

Welche Weiterbildungen interessierten Sie?

Ich war früh interessiert an der Gerontopsychiatrie. Ich hatte schon während des einjährigen Praktikums einen Kollegen, der eine solche Weiterbildung gemacht hatte und ein neues Konzept in seinem Wohnbereich einführen konnte. Die Wohnbereichsleiterin im Bereich für Menschen mit Demenz meiner Ausbildungsstätte hatte die Weiterbildung ebenfalls absolviert, und ich hörte von den Möglichkeiten, die Gerontopsychiatrische Fachkräfte auch als Selbstständige haben, etwa Ausflugsfahrten für die Pflegebedürftigen zu organisieren und Ähnliches. Als ich das Ausbildungszeugnis in der Hand hielt, wusste ich, dass ich die Voraussetzungen für das Weiterbildungsstipendium erfüllte, und bewarb mich kurz darauf bei der SBB. Dass das Stipendium mir schließlich die gewünschte Weiterbildung ermöglichte, war für mich wie ein Hauptgewinn.

Wo haben Sie die Weiterbildung absolviert?

Bei der Diakonischen Fort- und Weiterbildungsakademie in Hamburg. Die beiden Fachkräfte, die ich kennengelernt hatte, hatten sie ebenfalls an der DFA absolviert und mir diese empfohlen. In Hamburg ist die Weiterbildung zur Fachpflegekraft in der Gerontopsychiatrischen Pflege außerdem staatlich anerkannt, was sich meines Erachtens auch in einer höheren fachlichen Qualität niederschlägt. Die Weiterbildung umfasste 400 Unterrichtsstunden und dann noch einmal 400 Stunden im Aufbaukurs zur Koordinierenden Fachpflegekraft in der Gerontopsychiatrischen Pflege, in dem ich mich jetzt befinde. Den Aufbaukurs konnte ich nicht direkt anschließen, da er zunächst nicht zustande gekommen war. In fünf Monaten werde ich den Kurs beenden können.

Wie haben Sie von den Weiterbildungen bislang profitieren können?
Ich konnte mir sehr viel Fachwissen aneignen und mich auch persönlich weiterentwickeln. Einige Monate nach meiner Ausbildung kam mein damaliger Arbeitgeber, der Geschäftsführer einer stationären Pflegeeinrichtung aufgrund meiner begonnenen Weiterbildung auf mich zu. Er wollte in der Einrichtung einen neuen Wohnbereich für Menschen mit Demenz eröffnen. Ich war dann über zwei Jahre maßgeblich an den Planungen und dem Aufbau beteiligt, obwohl meine Ausbildung erst kurze Zeit zurücklag. Als normale Pflegefachkraft wäre ich nicht in diesen Prozess mit einbezogen worden. Auch was die Pflege angeht, bin ich durch die Weiterbildungen auf dem neuesten Stand, geschult in Entbürokratisierung der Pflege, die ja sehr diskutiert wird, dem Pflegestärkungsgesetz und den Instrumenten für Pflegegutachten. Das alles hätte ich in dem Umfang ohne die Fachweiterbildungen nicht erhalten. Die Weiterbildung habe ich ursprünglich nur für mich gemacht, alles andere hat sich dann daraus entwickelt.

Was sind Ihre weiteren beruflichen Pläne?
Ich habe vor Kurzem noch einmal die Stelle gewechselt und arbeite jetzt in einer Tagespflegeeinrichtung in der Nähe von Flensburg, die erst seit einem Jahr existiert und deren Geschäftsinhaber und Leiter selbst Fachpflegekraft in der Gerontopsychiatrischen Pflege ist. Zum Konzept des Hauses gehören unter anderem tägliche Ausflugsfahrten zum Beispiel in den Wald oder ans Meer. Mir ist es wichtig, genügend Zeit für die Tagesgäste zu haben und so Qualität leben zu können – das habe ich jetzt. Darüber hinaus habe ich dort Aufgaben als stellvertretende Qualitätsmanagementbeauftragte übernommen, entwickle Konzepte und gebe Mitarbeiterschulungen in diesem Bereich, die ich auch plane. In diese Richtung möchte ich mich weiterentwickeln, um das, was ich als Gerontopsychiatrische Fachkraft gelernt habe, noch besser vermitteln zu können. Ich kann mir auch vorstellen, eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung zu machen. Eine Leitungsfunktion kam früher für mich nie infrage – auch das hat sich durch die Weiterbildungen und meine Erfahrungen verändert.

Interview: Heinz Peter Krieger