Duales Studium Elektrotechnik: Von Ausbilder und Berufsschullehrern ermutigt

Foto Daniel Mühling

Daniel Mühling schloss die Schule mit der Fachhochschulreife ab und absolvierte anschließend eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik in einem Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie. Auf Vorschlag seines Arbeitgebers bewarb er sich erfolgreich für die Teilnahme an einem dualen Studium. Im Wintersemester 2013/14 begann er, gefördert durch das Weiterbildungsstipendium, an der Technischen Hochschule Mittelhessen das duale Studium Elektrotechnik, das er 2016 mit der Gesamtnote 1,4 beendete. Bei seinem Arbeitgeber ist er seitdem als Elektroingenieur tätig.

Herr Mühling, nach Ihrem Schulabschluss absolvierten Sie eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik. War Technik schon immer Ihr Steckenpferd?
Ich war schon als Kind und Jugendlicher begeisterter Modellbauer und habe mich immer für Technik interessiert. Deshalb kam für mich nur ein technischer Beruf infrage. Wegen der vielfältigen Anwendungsgebiete interessierte mich speziell die Elektrotechnik. Man kann sich kaum vorstellen, wohinter überall Elektrotechnik steckt. Nachdem ich die Schule mit der Fachhochschulreife abgeschlossen hatte, bewarb ich mich deshalb um eine Ausbildungsstelle als Elektroniker für Betriebstechnik.

Wo haben Sie die Stelle gefunden?
In einem großen Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie. Das erstaunt viele Leute, aber gerade in der Automatisierungstechnik ist die Branche auf einem unheimlich hohen Niveau. Viele verbinden die Lebensmittelindustrie gar nicht damit. Ich wusste aber schon von Freunden, dass die Firma in der Automatisierungstechnik einen sehr hohen Standard hatte.

Wie ging es nach der Ausbildung weiter?
Danach ging es direkt ins duale Studium. Ich habe die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt, um noch im Wintersemester ein duales Studium beginnen zu können.

Während des Studiums wurden Sie durch das Weiterbildungsstipendium gefördert. Wie hatten Sie von der Möglichkeit erfahren?
Ein Freund gab mir den Tipp. Er ging auf die Meisterschule und erhielt schon das Weiterbildungsstipendium. Ich habe dann recherchiert, ob das Stipendium für die Förderung meines dualen Studiums infrage kommt, und mich rechtzeitig vor Studienbeginn beworben – und es hat geklappt. Meine Ansprechpartnerin bei der IHK Kassel-Marburg hat mich dann in der Förderzeit wirklich toll unterstützt.

Wie war der Schritt aus der Ausbildung direkt ins Hochschulstudium?
Zu Beginn war das schon schwierig. Die Fachhochschulreife lag ja bereits drei Jahre zurück, und das Integrieren und Differenzieren wird an der Berufsschule nicht in dem Maße gefordert wie später an der Hochschule. Mithilfe von Arbeitskollegen und Kommilitonen konnte ich die Grundlagen aber aufarbeiten. Dadurch, dass die Kurse an der Hochschule recht klein waren, war auch der Zusammenhalt zwischen den Studenten sehr gut. In den Lerngruppen konnten wir uns gut helfen.

Von wem kam denn der Anstoß zu dem Studium?
Ich wollte schon während der Ausbildung immer wissen, woher die verschiedenen Formeln und Gesetze der E-Technik stammen. In der Ausbildung wendet man sie ja überwiegend an, macht aber keine Herleitungen. Das sind aber genau die Dinge, die im Grundlagenstudium geklärt werden. Deshalb interessierte ich mich früh für ein Studium. Mein Ausbilder und meine Berufsschullehrer ermutigten mich auch, diesen Schritt zu gehen. Die für das duale Studium zuständige Personalreferentin schlug mir schließlich vor, mich für das duale Studium zu bewerben, das die Firma gerade mit der Technischen Hochschule Mittelhessen neu anbot. Das hat dann geklappt.

Den Studienplatz haben Sie also nicht automatisch nach der Ausbildung bekommen?
Nein, ich musste mich in der Firma um den Studienplatz bewerben, also Vorstellungsgespräche und Tests durchlaufen wie jeder andere Bewerber auch. Das waren zum Teil Auszubildende wie ich, aber auch andere Mitarbeiter des Unternehmens und externe Bewerber.

Wie war das duale Studium zwischen Hochschule und Unternehmen organisiert?
Während des Semesters habe ich die Vorlesungen des normalen Bachelor-Studiengangs besucht. In den Semesterferien fanden dann die Praxisphasen im Unternehmen statt. Dabei bearbeitete ich am Produktionsstandort jeweils in sechs bis zehn Wochen konkrete elektrotechnische Problemstellungen, die in dieser Zeit auch gelöst werden sollten. Die Lösungen wurden fast immer für den laufenden Betrieb benötigt. Das bereitete auf die spätere Arbeit als Ingenieur natürlich sehr gut vor. So konnte ich schon während des dualen Studiums Berufserfahrungen für mein späteres Arbeitsfeld sammeln.

Fehlten Ihnen nicht die Semesterferien für die Vorbereitung auf Prüfungen?
Für die Studenten im dualen Studium hat die Hochschule die Klausuren vor die Praxisphasen gelegt. Die Prüfungen waren dann also immer schon abgeschlossen. Über die Praxisphasen mussten wir der Hochschule außerdem immer eine Hausarbeit und eine Präsentation vorlegen. Die zeitliche Aufteilung fand ich sehr gut, weil so keine extreme Doppelbelastung entstand. Wenn sich jemand für ein duales Studium interessiert, kann ich diese Organisation nur empfehlen. Als reiner Hochschulstudent hätte ich während der Semesterferien vielleicht als Kellner jobben müssen. So konnte ich in den Praxisphasen schon berufliche Erfahrungen sammeln.

Viele glauben, dass bei einem dualen Studium der Arbeitgeber alle Kosten übernimmt. Welche Maßnahmen wurden durch das Weiterbildungsstipendium gefördert?

Mein Arbeitgeber zahlt während des dualen Studiums ein monatliches Gehalt. Das gilt auch während des Semesters, wenn man sich nicht im Unternehmen, sondern in der Hochschule befindet. Das Stipendium hat mich bei der Finanzierung einer Unterkunft und bei der Zahlung der Semesterbeiträge unterstützt. So konnte ich in der Nähe der Hochschule wohnen. Das wäre ohne das Weiterbildungsstipendium nicht so einfach möglich gewesen, weil die Mieten in Hochschulnähe höher sind als im Umland. Ich hätte dann jeden Tag Fahrzeiten von drei Stunden gehabt. Das wäre zwar auch gegangen, aber ich hätte dann natürlich viel weniger Zeit gehabt, um zu lernen.

Ihr Studium haben Sie vor Kurzem erfolgreich abgeschlossen. Hat es sich gelohnt?

Auf jeden Fall. Ich betreue jetzt schon Projekte im Ausland, da gibt es im Unternehmen viele Möglichkeiten. Ich bin wirklich zufrieden und glücklich mit meiner Situation.

Was sind Ihre beruflichen Pläne?
Ich möchte im Unternehmen erst einmal weitere Erfahrungen im Berufsfeld des Elektroingenieurs sammeln und von meinen Vorgesetzten und Kollegen lernen, um später vielleicht einmal leitender Ingenieur zu werden. Möglichkeiten gibt es auf jeden Fall.

 

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger.)