Studium mit Kind: „Mit Kind ist der Alltag immer eine Herausforderung“

Martin Vogt

Martin Vogt schloss die Schule mit der der Mittleren Reife ab, absolvierte eine Ausbildung zum Elektroanlagenmonteur und erlangte nach knapp dreijähriger Berufserfahrung an der Berufsoberschule die Fachhochschulreife. 2010 begann er an der Hochschule Coburg das Bachelor-Studium der Automobiltechnik. Nach einem Urlaubssemester wegen der Geburt seines Sohnes schloss er das Studium 2014 erfolgreich ab und begann ebenfalls an der Hochschule Coburg das Master-Studium „Entwicklung und Management im Maschinen- und Automobilbau“.

Herr Vogt, Sie absolvierten eine Ausbildung zum Elektroanlagenmonteur, holten später an der Berufsoberschule das Abitur nach und begannen anschließend ein Studium der Automobiltechnik. Was war Ihnen dabei besonders wichtig: Überhaupt ein Studium zu beginnen oder die Chance zu haben, in die Automobilindustrie wechseln?
Mir war es vor allem wegen der besseren Möglichkeiten zur Weiterbildung und der beruflichen Perspektiven wichtig zu studieren. Ob es eher Automobiltechnik, Automobilmechatronik oder Maschinenbau werden sollte, stand für mich noch nicht fest, als ich mein Abitur machte. Der Studiengang Automobiltechnik kristallisierte sich erst heraus, als ich mich an der Hochschule Coburg genauer über die Studiengänge informierte.

Wann spielten Sie zum ersten Mal mit dem Gedanken zu studieren?
Ich dachte nach der Ausbildung darüber nach, wie ich mich weiterentwickeln könnte. Ich arbeitete damals bei einem mittelständischen Maschinenbau-Unternehmen in Coburg, und die erste Option war, den Meister zu machen. Ich hatte auch schon die Ausbildereignungsprüfung abgeschlossen. Dann kam aber der Meisterkurs nicht zustande, den ich machen wollte. Erst danach begann ich zu überlegen, ob der Meister das ist, worauf ich später aufbauen möchte, oder ob ich nicht besser gleich studieren sollte. So reifte bei mir die Entscheidung, dass ich mich lieber über ein Studium weiterqualifizieren wollte.

Sie haben in Vollzeit studiert. Hätte auch die Möglichkeit bestanden, Berufstätigkeit und Studium miteinander zu verbinden?
Ich hatte meine Berufstätigkeit schon vorher unterbrochen, um das Abitur in Vollzeit machen zu können. Das hatte natürlich etwas Überwindung gekostet, weil ich vorher recht gut verdient hatte und mich nun finanziell ganz auf null herunterfahren musste. Nebenberuflich zu studieren, wäre auch eine Möglichkeit gewesen. Bei meinem Arbeitgeber kam aber nur ein duales Maschinenbau-Studium infrage, das stark auf Konstruktion ausgerichtet war. Die spätere Vertiefung wollte ich aber selbst bestimmen können.

Hatten Sie nach der Mittleren Reife überlegt, statt einer Ausbildung direkt das Abitur zu machen?

Für mich war klar, dass ich erst eine Ausbildung machen wollte. Ich wollte erst einmal Geld verdienen, um finanziell unabhängig zu sein. Im Nachhinein hat sich gezeigt, dass das der richtige Weg für mich war, weil ich im Studium sehr von meiner Ausbildung und meiner Berufstätigkeit profitiert habe. Ich hatte einfach schon Erfahrungen, wie es in einem Unternehmen und allgemein in der Wirtschaft abläuft.

Wie empfanden Sie den Start ins Studium?
Durch das Abitur an der Berufsoberschule hatte ich zumindest wieder das Lernen gelernt. Ich musste mir wieder angewöhnen, mich intensiv mit theoretischen Sachverhalten auseinanderzusetzen. Im Grundstudium brachen dann die ganzen Anforderungen des Studiums über mich hinein. Vor allem die Organisation des Studienalltags und der Lerneinheiten war sehr wichtig. Im Großen und Ganzen kam ich aber gut zurecht.

Unterstützte Sie die Hochschule dabei?
Es gab ein Mentorenprogramm, das den Start sehr erleichterte. Wir hatten studentische Ansprechpartner, an die wir uns in der Eingewöhnungszeit wenden konnten, wenn wir Fragen hatten. Das half auf der organisatorischen Seite sehr. Wenn es darum ging, die enorme Menge an neuem Wissen zu verarbeiten, mussten wir uns das aber selbst einteilen.

Wie erfuhren Sie vom Aufstiegsstipendium?
Auf privatem Weg. Der Ehemann einer Arbeitskollegin meiner Frau hatte das Aufstiegsstipendium erhalten, darüber sind wir ins Gespräch gekommen. Ich informierte mich also im Internet über das Aufstiegsstipendium und die Zulassungsvoraussetzungen, und als sich zeigte, dass ich die Voraussetzungen erfülle, bewarb ich mich direkt.

Wie verlief das Auswahlgespräch?
Ich war vorher sehr aufgeregt, dann aber komplett positiv überrascht. Es war ein sehr gutes Gespräch und ich hatte anschließend auch ein sehr gutes Gefühl.

Und das Stipendium eine Erleichterung des Studiums?
Die finanzielle Absicherung war ein großer Bonus, weil ich mich dadurch ohne Existenzängste ganz auf das Studium konzentrieren konnte. Speziell als ich Vater wurde, war es eine große Hilfe.

Wie war die Situation nach der Geburt Ihres Kindes?
Meine Frau und ich bauten für uns gerade eine Wohnung in ihrem Elternhaus aus. Als das Kind kam, entschloss ich mich, ein Urlaubssemester einzulegen. Das Studium ließ sich unkompliziert umorganisieren, und die Förderung durch das Aufstiegsstipendium wurde ebenfalls für das Urlaubssemester unterbrochen und danach wieder aufgenommen. So konnte ich mich ein Semester lang darauf konzentrieren, die Wohnung zu renovieren und meine Frau zu unterstützen.

Wie konnten Sie das Urlaubssemester finanziell überbrücken?

Als Einkommen habe ich während dieser Zeit nur den Mindestbetrag des Elterngelds bezogen, also monatlich 300 Euro. Wir mussten uns etwas einschränken aber meinen Sohn die ersten Monate komplett mit aufwachsen zu sehen, wog das auf jeden Fall auf. Während des Studiums kann man das noch machen. Als beruflicher Neueinsteiger ist das später vielleicht nicht mehr so einfach möglich.

Vaterrolle und Studium konnten sie anschließend miteinander vereinbaren?
Das klappte recht gut, weil wir unseren Sohn in eine Kindertagesstätte an der Hochschule Coburg bringen konnten. Meine Frau und meine Mutter arbeiten auch in Coburg und konnten den Jungen deshalb ebenfalls abholen. Meine Eltern und meine Frau haben mich immer sehr unterstützt und mir gerade in den Prüfungszeiträumen den Rücken so freigehalten, dass ich mich aufs Lernen konzentrieren konnte. Mit Kind ist der Alltag immer eine Herausforderung, aber durch die Unterstützung meiner Familie war sie gut zu bewältigen.

Ist die Kita ein Angebot der Hochschule?
Träger ist ein geförderter Verein. Dadurch war die Betreuung auch preislich erschwinglich. Eine große Hilfe war die flexible Organisation. Selbst wenn ich Vorlesungen bis 19 Uhr hatte, war es möglich, das Kind währenddessen noch einmal in die Kita zu bringen.

Was sind Ihre weiteren beruflichen Pläne?
Ich habe an der Hochschule Coburg das Master-Studium ‚Entwicklung und Management im Maschinen- und Automobilbau‘ begonnen. Es baut auf meinem Bachelor-Studium auf, beinhaltet aber auch den Bereich Maschinenbau. So bin ich bei der späteren Berufswahl nicht allein auf die Automobilindustrie festgelegt. Mein Traum wäre natürlich, bei einem der großen Automobilhersteller zu arbeiten. Aber ich lasse es auf mich zukommen. Es hängt auch von der weiteren beruflichen Planung meiner Frau ab. Wir werden gemeinsam einen Weg finden.

 

Das Interview führte Heinz Peter Krieger.