Studium Maschinenbau: Arzthelferin wird Projektingenieurin

Bild Th. Dorscht

Theresa Dorscht absolvierte nach der Mittleren Reife eine dreijährige Ausbildung als Arzthelferin (heutige Berufsbezeichnung: Medizinische Fachangestellte) und arbeite weitere drei Jahre in dem Beruf. Anschließend holte sie an der Beruflichen Oberschule Bamberg das Fachabitur nach.

Schon immer interessiert an Technik, begann sie an der Technischen Hochschule Nürnberg ein Maschinenbau-Studium. Das Bachelor-Studium schloss sie, gefördert durch das Aufstiegsstipendium, im März 2016 ab. Seit Mai 2016 arbeitet Theresa Dorscht als Projektingenieurin bei einem Unternehmen der Kfz-Zulieferbranche in Hallstadt.

Frau Dorscht, nach der Mittleren Reife begannen Sie eine Ausbildung als Arzthelferin. Wie kam es zu diesem Berufswunsch?
Mein Pflichtpraktikum während der Schulzeit hatte ich in einem Krankenhaus absolviert. Dabei hatte mir der Beruf der Krankenschwester sehr gut gefallen. Weil eine Ausbildung in dem Beruf damals erst mit 17 Jahren möglich war, legte ich zur Überbrückung ein freiwilliges soziales Jahr im Klinikum Bamberg ein. Dort lernte ich den Beruf der Arzthelferin kennen und begann anschließend die Ausbildung im Klinikum. Parallel hatte ich mich auch um eine Ausbildungsstelle als Industriemechanikerin beworben.

Das wäre ja ein ganz anderer Beruf als Arzthelferin gewesen …
Das stimmt. Technisches Interesse hatte ich aber damals schon, und mein Bruder machte bereits eine Ausbildung als Industriemechaniker. Ich beließ es dann aber bei einer Bewerbung für den Fall, dass es als Arzthelferin nicht klappt. Richtig verfolgt habe ich das Berufsziel damals noch nicht.

Wie waren Ihre Erfahrungen als Arzthelferin?
Der Beruf hat mir gut gefallen, ich habe auch noch drei Jahre in der Klinik als Arzthelferin gearbeitet. Nach der Ausbildung kam ich allerdings in eine Abteilung, in der ich fast nur mit Anmeldungen und Abrechnungen zu tun hatte, aber wenig richtigen Kontakt mit Patienten. Sonst wäre ich vielleicht noch länger in dem Beruf geblieben. In dieser Zeit erhielt ich auch ein Stipendium von der Landesärztekammer Bayern, das ich für eine Ausbildung zur Entspannungspädagogin genutzt habe.

Wie ging es für Sie weiter?
Nach drei Jahren habe ich gekündigt und an der Beruflichen Oberschule Bamberg das Fachabitur gemacht. Damals hatte ich auch schon vor zu studieren.

Das Engagement bei der Feuerwehr vertiefte das technische Interesse.
Foto mit Löschschlauch bei der Feuerwehr

Sollte es da schon ein technisches Studium sein oder dachten Sie auch über den medizinischen oder Pflegebereich nach?
Ich wollte Maschinenbau studieren. Das technische Interesse war ja bereits da, und ich war damals auch schon aktives Mitglied bei der Feuerwehr, das hat mein technisches Interesse noch weiter vertieft. Vor meiner endgültigen Entscheidung hatte ich allerdings abgewartet, wie an der Berufsoberschule die Fächer Mathe und Technologie liefen, weil ich seit der Realschule kein technisches Fach mehr gehabt hatte.

Und wie liefen die Fächer?
Gut. (lacht)

Dass der Maschinenbau immer noch als Männer-Domäne gilt, störte Sie nicht?
Das war mir egal. In den sechs Jahren Ausbildung und beruflicher Tätigkeit als Arzthelferin hatte ich ja fast nur mit Frauen gearbeitet. Dass sich das künftig ändern würde, machte mir keine Sorgen.

Was sagte denn Ihr Umfeld zu diesem Studienwunsch?
Als ich mich an der Berufsoberschule endgültig für ein Studium entschied, hatte ich noch niemandem etwas davon verraten. Bei meiner Familie hielt sich die Begeisterung in Grenzen, schon als ich die feste Stelle kündigte und neu anfangen wollte. Inzwischen stehen sie aber hinter dem, was ich mache.

Hatte in Ihrer Familie schon jemand studiert?
Nein, ich war die Erste. In der Realschule kam mir deshalb auch noch gar nicht der Gedanke, dass ich mal studieren könnte. Die anderen Pläne kamen erst später.

Wie erfuhren Sie vom Aufstiegsstipendium?
Als ich mein Fachabi machte, teilte mir die SBB in einem Brief mit, dass ich als ehemalige Stipendiatin des Weiterbildungsstipendiums auch gute Voraussetzungen für eine Bewerbung um ein Aufstiegsstipendium hätte. Das passte natürlich wunderbar, weil ich ja ohnehin studieren wollte, ich aber nicht wirklich wusste, wie ich es finanzieren sollte. Also bewarb ich mich um das Stipendium.

Wie wichtig war das Stipendium für Sie?
Das Auswahlverfahren lief noch, als mein Studium schon begonnen hatte. Aber ich hatte nach dem Auswahlgespräch in Ismaning bereits ein gutes Gefühl und riskierte deshalb den Studienstart noch vor der Zusage. Ohne das Stipendium wäre es aber sehr schwierig gewesen, das Studium finanziell zu stemmen. Ich hatte mich deshalb zeitgleich sogar für ein freiwilliges Jahr bei der Bundeswehr beworben, um auf diese Weise Geld für das Studium ansparen zu können. Über die Zusage war ich deshalb sehr froh.

Wie empfanden Sie den Wechsel an die Hochschule?

Es war schon anders. Man spürt einfach, ob man mit Menschen aus sozialen Berufen zu tun hat oder mit solchen mit technischem Hintergrund. Aber fremd gefühlt habe ich mich überhaupt nicht. Hilfreich war auch, dass ich vor Beginn des Studiums an der TH an einem zweiwöchigen Sommerkurs in Mathematik teilnahm. Dort konnte ich schon erste Kontakte knüpfen, die auch bis zum Ende des Studiums hielten.

Und fachlich?
Das erste Semester war recht schwierig, weil mir einige physikalische Hintergründe fehlten. In den ersten drei Semestern musste ich viel Stoff nachholen und mehr lernen als andere. Deshalb war ich sehr froh, dass ich aufgrund des Aufstiegsstipendiums nicht auf Nebenjobs angewiesen war. Sonst wäre ich mit dem Studium jetzt wahrscheinlich noch nicht fertig.

Später fiel Ihnen das Studium leichter?
Ja, es hat sich dann eingependelt. Nach zwei bis drei Semestern waren wir alle etwa auf einem Stand, unabhängig von den Berufen oder der Schullaufbahn, die wir vorher hatten.

Das Bachelor-Studium haben Sie erfolgreich abgeschlossen. Wie geht es beruflich für Sie weiter?
Ich hatte mein Praxissemester im Entwicklungszentrum eines Sportwagenherstellers in Baden-Württemberg absolviert. Dort konnte ich auch meine Bachelor-Arbeit schreiben und ich hätte nach Abschluss des Studiums eine feste Stelle in demselben Team bekommen. Eigentlich war das so etwas wie eine Traumstelle für mich, aber ich merkte, dass es für mich auf Dauer zu weit weg von der Heimat war. Stattdessen habe ich vor drei Monaten als Projektingenieurin bei einem Kfz-Zulieferer in Hallstadt begonnen.

In welchem Bereich arbeiten Sie?
Im Bereich Versuch für Fensterheber. Vor meinem Start war ich noch aufgeregter, als wenn ich zu dem Automobilhersteller gegangen wäre, weil es ein komplett anderes Thema und ein ganz neues Team war. Aber es war die richtige Entscheidung. Ich bin in ein tolles Team gekommen, und es macht Spaß, darin zu arbeiten.

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)