Restaurator Marc Albertoni: „Ich habe sehr vom Stipendiaten-Netzwerk profitiert“

Foto M. Albertoni

Marc Albertoni machte nach der mittleren Reife eine Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer im Betrieb seines Vaters in Eisenach. Er arbeitete anschließend sechs Jahre in dem Unternehmen und absolvierte in dieser Zeit berufsbegleitend die zweijährige Ausbildung zum Meister im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk. 2013 startete er in das Bachelor-Studium „Konservierung und Restaurierung“ an der Fachhochschule Erfurt, das er mit der mit Gesamtnote 1,5 abschloss. Im Wintersemester 2016/17 begann Marc Albertoni das konsekutive Master-Studium „Konservierung und Restaurierung“ an der FH Erfurt, ebenfalls gefördert durch das Aufstiegsstipendium.


Herr Albertoni, Ihre Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer haben Sie im Betrieb Ihres Vaters gemacht. Seit wann wussten Sie, dass Sie diesen Weg einschlagen wollten?

Mein Großvater hatte mich schon als Kind in die Werkstatt unseres Familienunternehmens mitgenommen. Mich hatte immer fasziniert, was mein Großvater und mein Vater dort taten. Deshalb war für mich immer klar, dass ich das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk erlernen und das Unternehmen einmal weiterführen wollte. Das Abitur oder ein Studium standen nach der mittleren Reife deshalb für mich noch nicht zur Debatte.

Was gefiel Ihnen besonders an dem Beruf?
Die Verbindung von Handwerk, Kunst und Kreativität. Zudem sind meine persönlichen Stärken die Mathematik und Geometrie, die ich gut im handwerklichen Bereich einbringen kann. Ich war in der Schule aber auch im künstlerischen Bereich sehr gut und konnte dies in der Werkstatt umsetzen. Besonders fasziniert mich an dem Beruf, dass man etwas erschafft, was viele Jahre Bestand hat. Abends kann ich mir mein Werkstück noch einmal anschauen und habe nichts Virtuelles, sondern etwas Haptisches geschaffen. Das ist für mich sehr wichtig.

An welchen Projekten haben Sie konkret gearbeitet?
Unser Betrieb ist auf die Konservierung und Restaurierung von historischer Architektur und plastischem Bildwerk aus Stein spezialisiert. Das Auftragsspektrum reicht von sakraler und profaner Architektur über Skulpturen bis hin zur Bearbeitung von historischen Kleinobjekten, Fußböden und Raumausstattungen aus Stein. Wir sind zum Beispiel schon seit mehreren Jahren an der Restaurierung der Wartburg und des Stadtschlosses in Eisenach beteiligt.

Wie lange haben Sie nach der Ausbildung in dem Beruf gearbeitet?
Insgesamt sechs Jahre. Die letzten beiden Jahre habe ich als Handwerksmeister gearbeitet und Aufgaben in der Projektleitung und Abwicklung übernommen.

Marc Albertoni mit seinem Meisterstück
M. Albertoni mit mittelalterlicher Säule

Wie ließen sich Meister-Weiterbildung und die Arbeit im Betrieb vereinbaren?
Zeitlich und organisatorisch funktionierte das. Mit den theoretischen und praktischen Anforderungen an der Meisterschule kam ich ebenfalls gut zurecht. Die Fachtheorie und die praktische Durchführung fanden an der Handwerkskammer Dresden statt, weil beides in Thüringen nicht angeboten wurde. Die Berufsschule für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk befindet sich im sächsischen Demitz-Thumitz. Dort habe ich auch meine Prüfungen absolviert. Ich wohnte in einem Wohnheim direkt neben der Schule.

Seit wann spielten Sie mit dem Gedanken zu studieren?

Ich wollte auf jeden Fall noch eine Weiterbildung machen, die die theoretischen und praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Konservierung und Restaurierung von Naturstein vermittelt. Dafür kamen entweder die Weiterbildung zum Restaurator im Handwerk oder ein Studium an einer Hochschule infrage. Über ein Studium dachte ich das erste Mal intensiver nach, nachdem ich einen Brief der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung erhalten hatte. Dort stellte die SBB die Fördermöglichkeit durch das Aufstiegsstipendium vor.

Das war der Anstoß für Ihr Studium?
Ich habe mich dann erst einmal intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und nach möglichen Hochschulen und Studiengängen gesucht. Irgendwann war der Gedanke so weit gereift, dass ich ein Studium beginnen wollte. Zudem war ich nach der Ausbildung immer mehr in den Betrieb hineingewachsen und habe auch Aufgaben im Personalwesen, der Auftragsentwicklung und der Projektbetreuung übernommen. Schließlich wollte ich den Schritt weiter gehen und die entsprechenden Qualifikationen über ein abgeschlossenes Studium erlangen. Man wächst ja mit seinen Aufgaben.

Was hielt Ihr Arbeitgeber von der Idee zu studieren – also Ihr Vater?

Ich war zu der Zeit schon stark in den Betrieb involviert und ein mehrjähriges Studium war vorher nie ein Thema. Als ich damit auf meinen Vater zukam, war das zunächst schon schwierig für ihn. Es war ja auch ein Einschnitt für das Unternehmen. Aber schließlich sagte er mir, dass ich meinen Weg gehen solle und dass er froh wäre, wenn ich nach dem Studium wieder in den Betrieb zurückkäme.

Während des Studiums konnten Sie nicht im Familienunternehmen arbeiten?
Im Semester war das zeitlich nicht möglich. In den Semesterferien habe ich dann wieder richtig praktisch mitgearbeitet. Während des Semesters vermisste ich schon manchmal die praktische Arbeit in meinem Handwerk. An der Fachhochschule gab es aber ebenfalls viele Projekte mit praktischen Restaurierungsarbeiten, sowohl in den Werkstätten als auch auf externen Projekten. Das waren keine Steinmetzarbeiten, aber so hatte ich auch während des Studiums einen Ausgleich zwischen Theorie und Praxis.

Und vorher – wie war der Start ins Studium?
Den Stoff an der FH musste ich erst einmal bewältigen – sowohl was die Stoffmenge anging, besonders in den Naturwissenschaften, als auch die vielen Prüfungen in kurzer Zeit. Da ich nur die mittlere Reife hatte, fehlten mir auch einige Grundlagen. Das musste ich zunächst kompensieren. Ich habe etwa ein Semester gebraucht, um zu lernen, wie ich am effektivsten lerne. Die Noten waren aber von Anfang an gut.

Gab es an der FH spezielle Kurse für Erstsemester?
Vor dem ersten Semester besuchte ich vorbereitende Brückenkurse in Chemie und Physik. Im Studium hatten wir dann einen sehr guten Zusammenhalt unter den Kommilitonen. In unserem Jahrgang haben wir uns bis zum Schluss sehr geholfen. Das war für mich gerade in der Anfangszeit eine große Unterstützung.

Wie sehr hat Aufstiegsstipendium Ihnen das Studium erleichtert?

Durch das Stipendium hatte ich eine finanzielle Basis. Ich habe auch sehr von dem Stipendiaten-Netzwerk profitiert. In dem Online-Netzwerk ‚StipNet‘ und in den Treffen der Regionalgruppen findet man immer ein offenes Ohr, wenn ein Problem auftaucht. An den Seminaren des Aufstiegsstipendiums konnte ich leider nicht teilnehmen. Ich hatte sehr wenig freie Zeit, weil ich jeden Tag schon zwei Stunden im Zug zwischen Eisenach und Erfurt verbrachte. Außerdem haben wir in meinem dritten Semester Familienzuwachs bekommen. Da war ich froh über jede Sekunde, die ich zu Hause war.

Das Bachelor-Studium haben Sie erfolgreich abgeschlossen. Was sind Ihre weiteren Pläne?
Ich habe vor einigen Wochen ein Master-Studium an der FH Erfurt begonnen, ebenfalls im Fachbereich Konservierung und Restaurierung. Im Bachelor-Studiengang hatte ich den studiengangspezifischen Schwerpunkt ‚plastisches Bildwerk und Architektur aus Stein‘ belegt. Um die Kompetenzen zu erweitern, wählt man im Master-Studiengang einen zweiten Schwerpunkt hinzu. Hier belege ich ‚Archäologisches Kulturgut und kunsthandwerkliche Objekte‘. Innerhalb dieses Bereichs konzentriere ich mich auf die Konservierung und Restaurierung von historischem Metall.

War das der Grund, das Master-Studium zu beginnen?
Mit dem zweiten Schwerpunkt kann ich das Auftragsspektrum erweitern, wenn ich später den Betrieb weiterführe. Außerdem bereitet das Master-Studium darauf vor, Projekte zu planen, Konzepte für Restaurierungsarbeiten zu entwerfen und deren Durchführung zu betreuen. Wenn ich selbstständig bin, kann ich mit diesen Kenntnissen nicht nur Restaurierungsarbeiten durchführen, sondern auch planerisch arbeiten und die Unternehmensstrukturen um ein Planungsbüro erweitern. Mein Ziel ist, den Familienbetrieb in fünfter Generation zielführend und verantwortungsbewusst zu leiten.

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)