Studium der Molekularbiologie in vier statt in sechs Semestern – Berufsausbildung lohnt sich

Alexander Simon erlangte die mittlere Reife mit der Note 2,6. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann wechselte er den Beruf und schloss eine Ausbildung zum biologisch-technischen Assistenten (BTA) an, die er mit der Note 1,1 erfolgreich beendete. Nach zwei Jahren beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz begann er 2014 mit Unterstützung des Aufstiegsstipendiums ein Studium in Molekularer Biologie an der Universität Mainz, dass er nach vier Semestern ebenfalls mit der Gesamtnote 1,1 beendete. Im Wintersemester 2016/17 begann Alexander Simon das Master-Studium „Molecular Biosciences“ an der Universität Heidelberg, ebenfalls gefördert durch das Aufstiegsstipendium.

Herr Simon, nach der Mittleren Reife entschieden Sie sich für eine Ausbildung zum biologisch-technischen Assistenten. Wie kam es dazu?
Ich war zunächst auf der Fachoberschule, um das Fachabitur nachzuholen. Über ein Betriebspraktikum bekam ich dann eine Ausbildungsstelle zum Industriekaufmann und brach die Fachoberschule ab. Nach der Ausbildung arbeitete ich noch ein halbes Jahr in der zentralen Beschaffung des Betriebs. Zu Weihnachten schenkte mir dann ein Lieferant ein Buch mit dem Titel „Denkanstöße 2010“. Dort geht es um die Entstehung des Lebens, von der ‚Ursuppe‘ bis zum Einzeller und primitiven Mehrzeller.

Das Buch brachte Sie auf die Idee?
Ich hatte mich schon immer für Naturwissenschaften interessiert und viel in naturwissenschaftlichen Zeitschriften gelesen. Meine Eltern waren aber beide Kaufleute und führten einen Schreibwarenladen, da war das einfach etwas Exotisches. Das Buch war für mich schließlich der Anstoß, den kaufmännischen Bereich zu verlassen und eine zweite Ausbildung zu beginnen, in der ich etwas über biologische Vorgänge und deren Untersuchung lernen konnte.

Wo haben Sie die Ausbildung absolviert?
Es war eine zweijährige Ausbildung an der LGA-Fachschule in Nürnberg, aufgeteilt in theoretischen Unterricht und Laborpraktika. Die Ausbildung schloss ich mit der Note 1,1 ab. Anschließend bewarb mich ich in ganz Deutschland und stieß bei der Suche auf ein Stellenangebot beim Landeskriminalamt in Mainz. Die Stelle habe ich tatsächlich bekommen, obwohl ich dachte, dass die Hürden dort am höchsten seien.

Landeskriminalamt klingt nach einem ungewöhnlichen Arbeitgeber.
Ich wusste, dass man mit einer BTA-Ausbildung theoretisch bei einem Landeskriminalamt arbeiten kann. Das war für jeden der Traumjob. Für mich war es eine zusätzliche Motivation, mich in der Ausbildung intensiv reinzuhängen. Ich habe beim LKA dann im Bereich Kriminalwissenschaft und Kriminaltechnik gearbeitet.

Worum geht es dort konkret?
Ich war im Unterbereich DNA-Analytik beschäftigt. Dort werden menschliche Tatortspuren analysiert, etwa auf Kleidungsstücken von Opfern und Tätern oder auf Tatwerkzeugen.

Die DNA-Analysen beim Landeskriminalamt helfen bei der Aufklärung von Verbrechen.
(Foto: LKA-Rheinland-Pfalz)

Ist das nicht ungewohnt – vor allem, wenn man vorher als Industriekaufmann gearbeitet hat?
Einen blutgetränkten Pullover vor sich zu haben, ist natürlich erst einmal außergewöhnlich. Aber ich wusste ja, worum es geht und wie wichtig die Arbeit ist.

Studieren wollten Sie dann trotzdem.
Ich wusste schon seit dem Beginn meiner BTA-Ausbildung, dass Molekularbiologie genau meine Richtung ist. Ich wollte einfach immer noch mehr lernen. Das blieb auch so, als ich beim LKA arbeitete. Die Tätigkeit war unheimlich spannend, aber ich wollte mehr darüber wissen, was in einer Zelle genau passiert und was das Leben ausmacht. Beim LKA hätte ich mich in diesem Bereich nicht weiterentwickeln können, weil in den Ebenen über mir nur promovierte Biologen arbeiteten. Auch um innerhalb des LKA aufzusteigen, hätte also nichts an einem Studium vorbeigeführt.

Wie kamen Sie auf Ihren Studiengang?
Ich hatte auch überlegt, eine Weiterbildung zum Biotechniker zu machen. Wer ein Biologie-Studium beginnt, weiß, dass man allein mit dem Bachelor meist nicht weit kommt. Man braucht mindestens den Master, wenn nicht sogar die Promotion. Ich habe mich aber dennoch für das Studium entschieden, unter anderem, weil das in Rheinland-Pfalz damals auch ohne Abitur schon mit zwei statt drei Jahren Berufserfahrung möglich war. Ich entschied mich deshalb für den Studiengang Molekulare Biologie an der Universität Mainz.

War das eine große Umstellung?
Von meiner Ausbildung zum BTA habe ich während des gesamten Studiums profitiert. Ich brachte überall Vorwissen mit und hatte vor allem beim praktischen Arbeiten einen großen Vorsprung. Letzteres wird einem an der Uni eher weniger beigebracht. Dennoch wurde ich mit einer massiven Stoffmenge konfrontiert, die ich in kurzer Zeit lernen musste. Nach einigen Monaten hatte ich mir dafür aber eine Strategie zurechtgelegt. Ich hatte auch ein Seminar zum Thema Zeitmanagement belegt. Dort habe ich wertvolle Tipps bekommen, wie sich eine Woche strukturieren lässt, um effizient lernen zu können. So habe ich es geschafft, das Studium in vier statt sechs Semestern abzuschließen.

Wie ist Ihnen das gelungen?
Einer meiner ersten Wege führte zur Studienfachberatung, um mir dort meine Qualifikationen anrechnen zu lassen. Das sparte mir etwa ein Semester, sodass ich nach fünf Semestern fertig geworden wäre. Da fast alle Master-Studiengänge im Wintersemester beginnen, hätte ich vor dem Beginn eines Master-Studiums aber immer noch ein ganzes Sommersemester überbrücken müssen. Ab dem zweiten Semester habe ich deshalb pro Semester jeweils mehr als die üblichen 30 Credit Points erworben. Dazu musste ich viele Kurse in den Semesterferien belegen. In den zwei Jahren hatte ich eigentlich keine Pause. Ich war aber so motiviert, dass es nicht wehgetan hat. [lacht]

Bei Ihrem Studium wurden Sie durch das Aufstiegsstipendium gefördert. Wie hatten Sie vom Stipendium erfahren?
Ich hatte recherchiert, welche Fördermöglichkeiten für mich infrage kamen. Dabei stieß ich schnell auf das Aufstiegsstipendium, und die Voraussetzungen passten genau auf mich. Ich bewarb mich noch vor Beginn des Studiums, und die Zusage kam pünktlich zum Studienbeginn.

War das Stipendium eine große Hilfe?

Während meiner Berufstätigkeit hatte ich immer einen Teil meines Gehalts für spätere Weiterbildungen zurückgelegt. Die Techniker-Weiterbildung wäre ja auch kostspielig geworden. Ohne das Aufstiegsstipendium hätte ich aber auf jeden Fall noch eine Hiwi-Stelle annehmen oder woanders arbeiten müssen. Das Stipendium war deshalb eine riesige Erleichterung. Ohne die Förderung hätte ich nicht mit diesen Leistungen und in der kurzen Zeit studieren können. Und etwas ganz anderes: Ohne das Aufstiegsstipendium hätte ich nicht meine Freundin kennengelernt.

Wie das …?
Als ich neu im Programm war, las ich im Stipendien-Netzwerk ‚StipNet‘ ihren Abschlussbericht. Sie hatte ebenfalls Biowissenschaften studiert und wie ich vorher die BTA-Ausbildung gemacht. Sie gab mir einige Tipps und irgendwann trafen wir uns auch persönlich. Wir sind jetzt in Heidelberg zusammengezogen, wo sie bald ihre Promotion beginnt und ich gerade mein Master-Studium.

Es geht also mit dem Master weiter.
Ja, im englischsprachigen Studiengang ‚Molecular Biosciences‘. Das Auswahlverfahren an der Uni Heidelberg war ziemlich hart, von 600 Bewerbern wurden nur 30 genommen. An Heidelberg reizte mich aber, dass es ein so großer, traditionsreicher Wissenschaftsstandort mit weltbekannten Instituten ist. Und es ist ein sehr breit gefächerter, methodenorientierter Studiengang, der auch optimal auf eine Promotion vorbereitet.

Ihre Zukunft sehen Sie also in der Forschung?

Das weiß ich noch nicht. Der große Vorteil des Studiengangs ist, dass er mir alle Möglichkeiten offenhält. Ich kann mir vorstellen, in die Grundlagenforschung zu gehen, aber auch, zum LKA zurückzukehren. In der Forschung herrscht ein harter Wettbewerb. Aber sie fasziniert mich natürlich. Das Wichtigste ist, Freude am Beruf zu haben und nicht nur des Geldes wegen zu arbeiten.


(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)