„Mit dem Meisterbrief zu studieren, war fast exotisch“ – Interview mit Alexander Busch

Alexander Busch absolvierte nach seinem Realschulabschluss eine Ausbildung zum Industrieelektroniker für Geräte und Systeme. Er arbeitete in der Produktion eines bekannten Druckmaschinenherstellers, bildete sich zum Industriemeister Elektrotechnik weiter und begann anschließend an der Fernhochschule Darmstadt (Wilhelm-Büchner-Hochschule) ein Fernstudium in Mechatronik, das er 2014 als Bachelor abschloss. Noch während seines Studiums konnte er von der Produktion in die Abteilung für Betriebsmittelplanung wechseln.

Herr Busch, Sie sind ausgebildeter Elektroniker und hatten mit dem Industriemeister Elektrotechnik bereits eine anspruchsvolle Weiterbildung absolviert. Warum entschlossen Sie sich auch noch zu einem Studium?
Ich hatte mich schon von Kindesbeinen an für technische Dinge aller Art interessiert. Ursprünglich wollte ich auch auf ein technisches Gymnasium gehen, um mich in dieser Richtung weiterzuentwickeln. Aus verschiedenen Gründen klappte das aber nicht, und ich entschied mich deshalb für die Ausbildung zum Elektroniker. Als es dann die Möglichkeit gab, auch ohne Abitur mit dem Meisterbrief zu studieren, sah ich die Riesenchance, doch noch Träume zu verwirklichen, die ich fast schon aufgegeben hatte.

Wie reagierte Ihr Arbeitgeber auf Ihre Entscheidung?
Damals arbeitete ich noch in der Produktion. Eine besondere Reaktion gab es erst einmal gar nicht – mit dem Meisterbrief zu studieren, war damals ja auch noch ungewöhnlich und für die Unternehmen fast exotisch. Im Verlauf des Studiums erkannte mein Arbeitgeber aber, welches Potenzial und welche Perspektiven ein berufsbegleitendes Studium auch für das Unternehmen bietet.

Wie äußerte sich das?
Ich bekam erst ein kleineres Projekt, in dem ich selbstständig arbeiten konnte. Ein Jahr vor Abschluss meines Studiums konnte ich dann auf eine anspruchsvollere Stelle in einer anderen Abteilung des Unternehmens wechseln. Hier kamen immer weitere Aufgaben hinzu. In der neuen Abteilung arbeite ich heute noch.

Was ist das für eine Position?
Ich arbeite jetzt in der Betriebsmittelplanung. Die Abteilung plant und beschafft verschiedene Maschinen, Prüfmittel und Vorrichtungen und ist auch verantwortlich für die Instandhaltung der Maschinen. Es geht also um das komplette Management der Betriebsmittel: von der Planung, welche Betriebsmittel wir brauchen, über die Auswahl, die Kosten, die Einführung und die Betreuung der Maschinen während ihrer gesamten Lebensdauer.

Mechatronik ist eine vergleichsweise junge Hochschuldisziplin. Weshalb sollte es dieses Fach sein?
Mich hatten von jeher Maschinen und Mechanik interessiert, aufgrund meiner Ausbildung kannte ich mich aber vor allem in der elektronischen Steuerung sehr gut aus. Deshalb interessierte mich besonders das Fach Mechatronik, das beides verbindet. Es hat auch beruflich etwas gebracht, weil ich zwar in der Elektronikproduktion arbeitete, in den ganzen Maschinen und Betriebsmitteln aber sehr viel Mechanik steckt.

Und heute?
Das Studium hat mir sehr geholfen, die Maschinen besser zu verstehen. Heute bin ich zum Beispiel für die Beschaffung von mechanischen Vorrichtungen zuständig. Ohne das Mechatronik-Studium hätte ich das nicht geschafft.

Warum ein Fernstudium?
Wenn man schon etwas älter ist und Verpflichtungen hat, ist es problematisch, sich in Vollzeit weiterzubilden oder zu studieren und für eine bestimmte Zeit den Beruf aufzugeben. Das kam für mich nicht infrage. Ein berufsbegleitendes Studium war für mich die beste Möglichkeit, ein Studium durchzuziehen.

Fernstudium und Ihren Beruf konnten Sie gut unter einen Hut bringen?
Ich habe zum Beispiel die vorhandene Gleitzeit-Regelung genutzt, um die Tage vor Klausuren für die Vorbereitung frei zu haben. Den größten Teil der Freizeit habe ich komplett für das Studium eingesetzt. Freie Wochenenden oder größere Urlaube waren da nicht möglich. Das Studium war wesentlich zeitintensiver als die Vorbereitung auf den Meister.

Was war besonders wichtig bei der Organisation?
Man braucht ein wirklich gutes Zeitmanagement. Wichtig ist, auch Zeit für sich freizuschlagen und abschalten zu können. Nach einer schwierigen Klausur habe ich die Bücher auch mal ein, zwei Wochen nicht aufgeschlagen. Man darf sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Irgendwann schafft man dann doch den Einstieg ins Thema.

Wie haben Sie vom Aufstiegsstipendium erfahren?
Meine Meister-Weiterbildung wurde bereits durch das Weiterbildungsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert, das von der SBB koordiniert wird. Am Ende des Kurses beschäftigte ich mich mit einem möglichen Studium und erhielt gerade in dieser Phase ein Schreiben, in dem die SBB das neue Aufstiegsstipendium vorstellte. Das war genau das Richtige für mich. Ich bewarb mich direkt und wurde in das Programm aufgenommen. Das war wie eine glückliche Fügung.

Wie hilfreich war die Förderung?

Finanziell war das Stipendium eine große Unterstützung. Für das Fernstudium fielen ja monatlich Gebühren an.

Die Förderung lief während Ihres Studiums aus. Wie haben Sie das Studium nach Ende der Regelstudienzeit finanziert?
Durch die neue Stelle, die ich während des Studiums annahm, hatte ich auch ein höheres Gehalt. Die Regelstudienzeit von dreieinhalb Jahren ist in einem Fernstudium und bei voller Berufstätigkeit nur schwer einzuhalten. Es wird ja der gesamte Stoff eines normalen Bachelor-Studiums in das berufsbegleitende Fernstudium gepackt, bei gleicher Regelstudienzeit.

Ihre weiteren beruflichen Pläne?
In meiner derzeitigen Position kommen immer weitere Aufgaben hinzu, in die ich hineinwachsen kann. Mein Ziel für die Zukunft ist, noch größere Projekte zu leiten. So wie es im Moment läuft, ist noch einiges zu erwarten.

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)