„Mein Arbeitgeber gab den Anstoß“ – Robert Köllner über sein Ingenieurstudium

Foto Robert Köllner

Robert Köllner bestand nach seiner Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik auch die Prüfung zum Abwassermeister. Gemeinsam mit seinem damaligen Arbeitgeber, dem Zweckverband JenaWasser, entschloss er sich, an der Bauhaus-Universität Weimar ein Bachelor-Studium in Umweltingenieurwissenschaften aufzunehmen, das er 2013 erfolgreich abschloss. Derzeit studiert Köllner berufsbegleitend im Master-Studiengang „Wasser und Umwelt“, ebenfalls an der Universität Weimar.

Herr Köllner, Sie sind über die Ausbildung zum Abwassertechniker und die Weiterbildung zum Abwassermeister zum Studium der Umweltingenieurwissenschaften gekommen. Hatten Sie das so geplant oder ergab sich eher ein Schritt aus dem anderen?

Geplant hatte ich nur, meine Ausbildung gut abzuschließen und anschließend den Meister zu machen. An ein Studium hatte ich anfangs nicht gedacht. Dann kam aber mein damaliger Arbeitgeber auf mich zu und teilte mir mit, dass in nächster Zeit eine Ingenieurstelle frei werde. Er fragte mich, ob ich mir das vorstellen könne – vor allem, da ich aus der Praxis komme, würde das sehr gut passen.

Sie selbst waren gar nicht auf die Idee gekommen zu studieren?

Ich hatte schon mal mit den Gedanken gespielt, mir ein Studium aber nicht richtig zugetraut, ich habe ja kein Abitur. Der Vorschlag meines Arbeitgebers gab dann den Anstoß. Dazu kam, dass Meister in Thüringen inzwischen auch ohne Abi Zugang zu einigen Hochschulen bekamen. Im Bereich Umwelttechnik zu studieren, war eine gemeinsame Idee von mir und meinem Arbeitgeber. Hier hatte ich die besten Möglichkeiten, mich beruflich weiterzuentwickeln.

Den Bachelor haben Sie als Vollzeitstudium absolviert. Wie konnten Sie in der Zeit Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber halten?

Wenn es sich in den Semesterferien einrichten ließ, konnte ich ab und zu wieder bei meinem alten Arbeitgeber arbeiten. Das war sehr angenehm, weil dadurch der Kontakt nie abriss, ich immer wieder in die Praxis kam und es natürlich auch finanziell etwas half.

Stichwort Finanzierung: Wie haben Sie vom Aufstiegsstipendium erfahren?

Ich hatte im Internet recherchiert und bin dort schnell auf das Aufstiegsstipendium gestoßen. Die Bedingungen passten genau auf mich, und so habe ich mich bei der SBB um ein Stipendium beworben und es schließlich bekommen.

Wie wichtig war die Unterstützung durch das Stipendium?

Sie war sehr wichtig, weil das Stipendium der Hauptfaktor bei der Finanzierung meines Studiums war. Sonst hätte ich während des Studiums wesentlich mehr arbeiten müssen und es hätte entsprechend länger gedauert.

Die Bauhaus-Universität ist schon wegen ihres Namens eine sehr renommierte Hochschule. War sie von Anfang an Ihre erste Wahl?

Es gab noch die Möglichkeit, Wasserwirtschaft an einer FH zu studieren. Ich entschied mich aber für die Universität Weimar, weil ich fand, dass die angebotenen Module dort am besten passten. Außerdem spielte die Nähe zu meinem Heimatort eine Rolle. Im Rückblick kann ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war.

Was war beim Wechsel an die Uni die größte Umstellung?

Das Studium war für mich komplettes Neuland: Es ist ganz anders als bei der Weiterbildung zum Meister. Ich hatte mich zwar auch für die Meister-Prüfungen vorbereiten müssen, aber im Ingenieurstudium an der Uni liegt die Organisation ganz bei den Studenten und sie müssen sich um alles selbst kümmern.

Fachlich konnten Sie aber mithalten?

Insgesamt schon. In den ersten beiden Semestern war allerdings sehr viel Mathematik gefragt, und bei den mathematischen Grundlagen fehlte mir einiges. Das konnte ich über Nachhilfeunterricht und die Angebote der Uni aufholen, also Vorbereitungskurse und Tutorien. Mathe war sicher die größte Hürde. Schwierig und anstrengend, aber ich habe es ganz gut gemeistert .

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Ich habe im April dieses Jahres ein Master-Studium ‚Wasser und Umwelt‘ begonnen. Ebenfalls an der Uni Weimar, aber dieses Mal berufsbegleitend. Das Schöne an dem Studium ist, dass ich die Module im Fernstudium fast komplett so zusammenstellen kann, wie es zu meinen beruflichen Tätigkeiten am besten passt.

Aber diesmal studieren Sie mit der Doppelbelastung aus Studium und Beruf.

Die Doppelbelastung ist schon da. Aber der Stoff und die Übungen, die ich alle zwei Wochen zugesandt bekomme, sind dafür viel praxisnäher als im Bachelor-Studium. Deshalb komme ich gut damit zurecht.

Was für ein Lerntyp sind Sie denn?

Gemischt. Bei allem, was auswendig zu lernen ist, bereite ich mich allein vor. Vorbereitungen auf Seminare und andere Veranstaltungen haben wir aber immer gemeinsam zu drei bis vier Kommilitonen vorbereitet. Und Übungsaufgaben haben wir immer allein gelöst, uns dann aber getroffen und unsere Lösungen besprochen.

Ihr Tipp für Berufstätige, die überlegen, ein Studium zu beginnen?

Man muss es mit der Familie besprechen. Sie muss ja akzeptieren, dass man viel Zeit an der Hochschule statt zu Hause verbringen wird. Und man muss sich rechtzeitig um alles kümmern: ob das Studium wirklich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert, um die Wohnungssuche und um die Studienfinanzierung. Ein halbes Jahr vorher sollte man spätestens damit beginnen.

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)