Sebastian Prinz: „Mir half auch die ideelle Förderung des Aufstiegsstipendiums“

Foto Sebastia Prinz

Sebastian Prinz absolvierte eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker und arbeitete anschließend im In- und Ausland als Roboterprogrammierer. Nach einer Weiterbildung zum Techniker studierte er Maschinenbau an der Universität Paderborn. Inzwischen befindet er sich – weiterhin gefördert durch das Aufstiegsstipendium – im Master-Studium, sammelt parallel Erfahrungen als technischer Mitarbeiter an einem Forschungsinstitut und engagiert sich als Stipendiumsbotschafter für das Aufstiegsstipendium.

Herr Prinz, nach der Mittleren Reife haben Sie eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker in der Hütten- und Halbzeugindustrie absolviert. Wie kamen Sie zu der Ausbildungsstelle?
In der Realschule hatte ich die Fächer Technik und Informatik gewählt. Ich absolvierte ein Berufspraktikum bei einem bekannten Unternehmen aus dem Bereich Automobilzulieferung und Stahlrohrproduktion bei uns in Paderborn, bewarb mich um eine Ausbildungsstelle und wurde eingestellt. Der Ausbildungsberuf ist typisch in Produktionsunternehmen, die Halbzeuge, also vorgefertigte Rohmaterialien, zum Beispiel Rohre, herstellen oder Teile für die Automobilindustrie produzieren. Dabei geht es um die Bedienung, Steuerung und Einrichtung von Produktionsanlagen.

Wie gefiel Ihnen die Ausbildung?
Die Ausbildung machte sehr viel Spaß. Bis zum Abschluss hatte ich das gesamte Industrieunternehmen gesehen. Das reichte von den Tätigkeiten eines Industriemechanikers, Werkzeugmechanikers, Zerspaners bis zur Inbetriebnahme von Produktionsanlagen und der Roboter- und SPS-Programmierung. Nach der Ausbildung hatte ich schon eine gute Vorstellung, in welche Richtungen ich mich weiterentwickeln konnte. Von der IHK Ostwestfalen wurde ich auch bei der Bestenehrung ausgezeichnet.

Welche Richtung schlugen Sie dann ein?
In der Abteilung für Prototypen wurde gerade eine Stelle frei. Ich konnte dort zur Probe arbeiten und mich intern bewerben. Ich entschied mich für die Stelle, weil sie alles vereinte, was mich in der Ausbildung am meisten interessiert hatte: die Roboterprogrammierung, das Schweißen und generell das praktische Arbeiten. Es war eine Position im Prototypenbau, das heißt, die Teile mussten noch passend gemacht werden, um sie später mit dem Roboter oder per Hand verschweißen zu können. In der Abteilung blieb ich anderthalb Jahre. Anschließend ging ich für ein kleineres Projekt in der Roboterprogrammierung für drei Wochen in die USA und wechselte später anderthalb Jahre nach Norwegen. Dort hatte das Unternehmen eine Aluminiumgießerei gekauft, die ich im Bereich Robotertechnik und bei der Einrichtung und Programmierung von Neuanlagen unterstützte. Ursprünglich wollte ich eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Maschinenbau-Techniker machen. Weil sich der Aufenthalt in Norwegen verlängerte, begann ich die Weiterbildung direkt nach meiner Rückkehr in Vollzeit, um die Zeit wieder hereinzuholen.

Seit wann dachten Sie über ein Studium nach?
Während der Weiterbildung wurde mein Interesse an verschiedenen Bereichen, die ich weiter vertiefen konnte, immer größer. Das galt besonders für hoch komplexe Themen wie Industrie 4.0, bei denen mir zum Teil die Grundlagen fehlten. So bekam ich recht schnell den Ehrgeiz, nach dem Techniker weiterzumachen. Da ich in der Weiterbildung sehr gut zurechtkam und mit der Note 1,5 gut abschnitt, legten mir auch einige Lehrer ein Studium nahe. Mit dem Techniker-Abschluss hatte ich bereits die Hochschulzugangsberechtigung. Außerdem erwarb ich am Berufskolleg die Fachhochschulreife. So bewarb ich mich schließlich an der Universität Paderborn um einen Studienplatz in Maschinenbau mit der Vertiefungsrichtung Fertigungstechnik und bei der SBB um das Aufstiegsstipendium.

Wie hatten Sie vom Aufstiegsstipendium erfahren?
Nach Abschluss meiner Ausbildung bekam ich einen Flyer zum Weiterbildungsstipendium. Um dieses bewarb ich mich zwar nicht, aber ich kannte schon die Fördermöglichkeiten der SBB. Als ich mich über Finanzierungsmöglichkeiten für mein Studium informierte, fand ich mich in den Anforderungen für das Aufstiegsstipendium – also Berufserfahrung, gute Note, keine Altersbeschränkung – genau wieder. Dass ich die Zusage erhielt, war für mich eine große Erleichterung. Studiert hätte ich aber in jedem Fall.

Fiel Ihnen der Wechsel vom Berufskolleg an die Uni leicht?
Der Start war überwältigend. Ich kam aus der praktischen Arbeit. Gerade Fächer wie Mathematik waren deshalb für mich sehr weit entfernt. Es war ein immenser Aufwand, auf einen Stand zu kommen, auf dem ich mithalten konnte. Ich belegte einen Vorkurs in Mathematik, nahm privat Nachhilfe und kniete mich rein. Das ist auch mein Rat für Interessenten an technischen Studiengängen: Man muss die ersten Semester hinter sich bringen und an sich glauben. Dazu gehört das Durchhaltevermögen dranzubleiben, bis etwas wirklich verstanden ist.

Das haben Sie geschafft …
Irgendwann merkt man, dass man daran gewachsen ist. Zum Ende des Studiums wurde es einfacher, weil ich besser mit den Werkzeugen umgehen konnte, die am Anfang vermittelt wurden. Mir half auch die ideelle Förderung des Aufstiegsstipendiums. Ich belegte bei der SBB zum Beispiel Seminare zu den Themen ‚Schneller lesen‘, ‚Zeit- und Selbstmanagement‘, ‚Prüfungsvorbereitung‘ oder ‚Professionell verhandeln‘. Neben dem Studium arbeitete ich sogar als Dozent in der Weiterbildung.

Wie kamen Sie zu dieser Aufgabe?
Mein früherer Arbeitgeber suchte externe Dozenten für die Aus- und Weiterbildung. Da ich nach der Techniker-Weiterbildung auch die Ausbildereignungsprüfung abgelegt hatte, konnte ich in dem Unternehmen als Dozent in der Weiterbildung tätig werden. Ich finde es sehr interessant, mit den Teilnehmern zu arbeiten und ihnen neue Themengebiete zu vermitteln.

Ihr Bachelor-Studium haben Sie erfolgreich abgeschlossen und ein Master-Studium begonnen. Wann haben Sie sich entschieden weiterzumachen?
Als ich das Bachelor-Studium begann, konnte ich mir schwer vorstellen, mein Berufsleben für weitere fünf Jahre zu unterbrechen. Ich hatte ja schon die zweijährige Techniker-Weiterbildung hinter mir. Während des Studiums merkte ich aber, dass es gerade in diesem speziellen Bereich sinnvoll ist, noch mehr zu lernen, um richtig Fuß fassen zu können. Nach meinem Bachelor-Abschluss mit der Note gut habe ich deshalb an der Uni Paderborn ein Master-Studium in Maschinenbau, jetzt mit der Vertiefungsrichtung Mechatronik, begonnen. Ich bin gerade im ersten Semester.

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Die Gebiete Automatisierung und Robotik interessieren mich sehr. Mit Beginn des Master-Studiums habe ich eine Teilzeitstelle als technischer Mitarbeiter in einem Forschungsinstitut angenommen und kann mir gut vorstellen, in diesem Bereich weiterzuarbeiten. Das Spannende an der Forschung ist der Kontakt zu neuen Technologien, die sich in der Industrie noch gar nicht durchgesetzt haben, weil diese eher etablierte Techniken einsetzt.

Wie bekommen Sie Master-Studium, Dozententätigkeiten und die Arbeit im Forschungsinstitut unter einen Hut?
Tja, das ist mit viel Arbeit verbunden. (lacht)

Sie engagieren sich außerdem als Stipendiumsbotschafter für die SBB. Was hat Sie dazu veranlasst?

Die SBB fragte bei mir an, ob ich das für den Kreis Paderborn machen wollte. Im Berufskolleg hatte ich bei den Techniker-Kollegen bereits privat für das Aufstiegsstipendium geworben. Die meisten Kollegen können sich nicht vorstellen, dass ein Stipendium für sie infrage kommt, weil sie das eher mit Hochbegabtenförderung verbinden. Stipendiumsbotschafter zu werden, ist eine gute Möglichkeit, das Aufstiegsstipendium noch bekannter zu machen. Ich bin zum Beispiel jedes Jahr mit einem Stand auf der Technikermesse meines früheren Berufskollegs vertreten, auf der die Projektabschlussarbeiten der Techniker-Weiterbildung präsentiert werden. Dort stelle ich das Aufstiegsstipendium vor. So kann ich der SBB etwas für meine Förderung zurückgeben.

Interview: Heinz Peter Krieger