Forstingenieurin Karin Beer: „Das ganze Angebot der Hochschule nutzen“

Karin Beer absolvierte nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zur Metallbauerin und bildete sich anschließend zur geprüften Metallbautechnikerin weiter. Nach einigen Berufsjahren wechselte sie den beruflichen Bereich. Sie absolvierte, gefördert durch das Aufstiegsstipendium, das Bachelor-Studium Forstingenieurwesen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und studiert derzeit im Master-Studiengang Umweltplanung und Ingenieurökologie an der TU München.

Frau Beer, nach der Mittleren Reife entschieden Sie sich für eine Ausbildung zur Metallbauerin. Das gilt nicht unbedingt als typischer Mädchenberuf. Wie entwickelte sich Ihr technisches Interesse?
Ich war schon immer interessiert an Technik und verschiedenen Materialien wie Holz, Stein und Metall. Die wichtigste Anregung hatte ich dann durch ein vierwöchiges Praktikum in einer Kunstschmiede bekommen. Danach war mir klar, dass ich eine Ausbildung zur Metallbauerin machen wollte.

An die Mittlere Reife das Abi anzuschließen, kam für Sie nicht infrage?
Ich hatte darüber nachgedacht und mir auch eine Berufsoberschule angesehen. Neben der Berufstätigkeit wäre das aber zu zeitraubend gewesen, weil ich damals auch an mehreren Abenden in der Woche sportlich aktiv war. Ich hätte das Abitur nicht machen können, ohne meine Berufstätigkeit zu reduzieren, und das wollte ich nicht.

Was waren die nächsten beruflichen Schritte nach der Ausbildung?
Nach der Ausbildung besuchte ich die Technikerschule für Metallbau und bildete mich zur Metallbautechnikerin weiter. Anschließend arbeitete ich als Projektleiterin. Da begann ich mir aber schon Gedanken zu machen, wo die Reise weiter hingehen sollte.

Wie kam es zu Ihrem Wunsch zu studieren?
Eine Möglichkeit war, weiter meiner Liebe zur Gestaltung von Metall zu folgen. Ich habe deshalb auch überlegt, Metalldesign zu studieren. Das hätte meinen bisherigen Weg zwar geradlinig fortgeführt, war aber nicht das was mich wirklich begeisterte. Ich ging deshalb erst einmal intensiv in mich. Dabei kristallisierte sich heraus, dass ich mich mit einer ganzheitlichen Betrachtung der Themen Wald und Natur viel mehr identifizieren konnte. Klimawandel, Biodiversität, Nachhaltigkeit und ein schonender Umgang mit unseren Ressourcen sind ja wichtige Themen unserer Gegenwart. So entwickelte sich mein Wunsch, Forstingenieurwesen zu studieren.

Wie haben Sie das Ihrem damaligen Arbeitgeber nahegebracht?
Wirklich verstanden hat er den Wunsch, einen ganz anderen Beruf zu ergreifen, natürlich nicht. Er bot mir auch andere Aufgaben und ein höheres Gehalt an, damit ich im Unternehmen bliebe. Aber es war ein langer Prozess bis zu meiner Entscheidung, und da gab es auch kein Zurück mehr.

Wie haben Sie vom Aufstiegsstipendium erfahren?
Als ich wusste, dass ich studieren möchte, informierte ich mich im Internet nach Nebenjobs und Fördermöglichkeiten für Studenten mit Berufserfahrung. Als ich dabei auf das Aufstiegsstipendium stieß, konnte ich es erst gar nicht glauben, weil die Bewerbungsvoraussetzungen genau auf mich passten. Ich bewarb mich also und wurde zu den Auswahlgesprächen eingeladen. Als dann die Zusage für das Stipendium kam, war ich ziemlich glücklich. Mir hat das bestätigt: Wenn man etwas wirklich will und sich bewusst dafür entscheidet, hilft einem das Leben, es zu erreichen.

Wie wichtig war das Stipendium bei der Entscheidung für ein Studium?
Es war eine sehr große Erleichterung. Es ermöglichte mir zu studieren, ohne dabei arbeiten zu müssen. Dadurch konnte ich das ganze Angebot der Hochschule viel umfangreicher nutzen, etwa mich tiefer in Details einarbeiten, zusätzliche Wahlfächer belegen oder an Exkursionen nach Russland und Venezuela teilnehmen. Das hat mir sehr viel gebracht.

Was war die größte Umstellung beim Wechsel zum Studium?
Die größte Umstellung war, den ganzen Tag im Hörsaal zu sitzen und sich darauf zu konzentrieren, was einem vorgetragen wird. An das Lernen musste ich mich wieder gewöhnen. Freizeit wie früher gab es auch nicht mehr, weil ich schnell ein schlechtes Gewissen hatte. Etwa weil ich noch ein bestimmtes Buch lesen wollte, einen Bericht schreiben musste.

Wie haben Sie die Umstellung gemeistert?
Viele Studenten setzen sich unter einen enormen Druck. Man muss sich trotzdem Freiräume schaffen, die man zur Entspannung benötigt, wie in jedem Beruf. Deshalb ist es wichtig, als Ausgleich zum Beispiel die Sportangebote zu nutzen, die die Hochschule ja auch bietet.

Was sind Ihre Pläne?
Ich habe an der TU München das Master-Studium Umweltplanung und Ingenieurökologie begonnen, um das Thema noch weiter zu vertiefen. Meine weiteren beruflichen Pläne entwickeln sich gerade.

Was raten Sie Berufstätigen, die überlegen, ein Studium zu beginnen?
Ich kann jedem nur empfehlen, etwas zu wagen und dem eigenen Traum näher zu kommen – und so an den neuen Aufgaben zu wachsen.

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)