„Das Aufstiegsstipendium wird seinem Namen wirklich gerecht“ – Der gelernte Kfz-Mechaniker Tobias Honzal über sein erfolgreiches Jura-Studium

Tobias Honzal arbeitete als Kfz-Mechaniker und absolvierte eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Maschinentechnik, als er sich für ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Jena entschied. Das Studium schloss er mit dem ersten Staatsexamen ab und begann nun sein Referendariat.

Herr Honzal, Sie sind ausgebildeter Kfz-Mechaniker. Wie kamen Sie auf die Idee, Jura zu studieren?
Ich kümmere mich seit einigen Jahren um die Verwaltung eines Mietshauses meines Vaters. Als Verwalter habe ich bei Rechtsstreitigkeiten Teile des Schriftwechsels übernommen. Dadurch bin ich mit der Tätigkeit der Justiz in Kontakt gekommen. Mich haben vor allem die Fachsprache und die effektive Abwicklung von Zivilrechtsfällen fasziniert. Gerade das Mietrecht ist ja oft streitbehaftet. Für meine Arbeit gab es auch Lob von meinen Eltern und vom Rechtsanwalt, und so kam die Frage auf, ob ich mir das nicht beruflich vorstellen konnte.

Und warum dann vorher die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker?
Mein Interesse für Fahrzeugtechnik bestand schon länger durch den Beruf meines Vaters. Er war selbstständiger Mechanikermeister und besaß eine kleine Werkstatt. Nach der Schule konnte ich bei der Reparatur von Autos und Landmaschinen helfen und lernte dabei schon Teile des nötigen Handwerkszeugs. Nach dem Realschulabschluss hatte ich dann den Wunsch, praktisch zu arbeiten und Geld zu verdienen. Und die Berufswahl Kfz-Mechaniker ist ja auch ein Klassiker für junge Männer.

Am Berufskolleg erlangten sie die fachgebundene Hochschulreife. Besuchten Sie das Kolleg berufsbegleitend?
Nein, das Berufskolleg Technik besuchte ich direkt im Anschluss an die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und in Vollzeit. Mein Ziel war die Qualifikation für ein technisches Studium, um Fahrzeugtechnik studieren zu können.

An ein Jura-Studium dachten Sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht?
Das klassische juristische Studium mit dem Abschluss Staatsexamen wäre mit der Fachhochschulreife, die das Berufskolleg vermittelt, nicht möglich gewesen. Ich studierte zunächst ein Semester Fahrzeugtechnik. Den damaligen Diplom-Studiengang empfand ich aber als sehr trocken, weil er sich bis zum Vordiplom fast ausschließlich mit den Grundlagenfächern wie Mathematik und technischer Mechanik beschäftigte. Das Studium habe ich deshalb nach einem Semester abgebrochen.

Wie ging es Ihnen nach dem Studienabbruch?
Das war natürlich eine schwierige Phase. Ich habe zunächst wieder gearbeitet, unter anderem bei Daimler und bei Porsche. Aber den Willen, durch ein Studium den Aufstieg zu schaffen, habe ich nie aufgegeben. Zunächst habe ich an der Technikerschule Heilbronn eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Maschinentechnik absolviert.

Mit welchem Ziel?
Ich wollte gerne in der technischen Abteilung eines Unternehmens in der mittleren Führungsebene arbeiten. Das zerschlug sich dann aber durch die Weltwirtschaftskrise und die Auftragseinbrüche in der Maschinenbau-Branche. Deshalb begann ich, nach Möglichkeiten zu suchen, ein Studium zu finanzieren. Bei der Internetrecherche stieß ich dann auch auf das Aufstiegsstipendium. Dadurch konnte ich zum ersten Mal ernsthaft die Möglichkeit in Betracht ziehen, Jura zu studieren. Zudem hatten sich auch die Hochschulgesetze geändert. In Thüringen konnte man nun über den Technikerzugang Rechtswissenschaften studieren. So konnte ich die Sackgasse, in die ich geraten war, in eine einzigartige Lebenschance ummünzen, und ich habe mich für das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Jena entschieden.

Das Aufstiegsstipendium war also eine wichtige Hilfe?
Es war sehr wichtig. Jura ist ein langes und deshalb auch ein kostenintensives Studium. Ohne das Stipendium hätte ich es nicht absolvieren können. Für diese Chance möchte ich mich noch einmal bedanken. Das Aufstiegsstipendium wird seinem Namen wirklich gerecht.

Von der Fahrzeugtechnik zu den Rechtswissenschaften – das klingt nach einem enormen Sprung. Wie haben Sie sich auf das Studium vorbereitet?
Eine gezielte Vorbereitung, um eventuelle Rückstände aufzuholen, wie es etwa in Mathematik-Vorkursen bei einem Maschinenbau-Studium üblich ist, ist bei einem Jura-Studium nicht notwendig. Was die juristischen Vorkenntnisse anbelangt, starten ja alle Studenten vom gleichen Ausgangsniveau aus. Das ist einer der großen Vorteile eines rechtswissenschaftlichen Studiums. Ich habe mir natürlich Literatur besorgt, zum Beispiel ‚Alles, was Recht ist‘ und ‚Die Geschichte des Rechts‘ von Uwe Wesel sowie einen Studienführer.

Wie empfanden Sie den Start an der Uni?

Man ist mit sehr viel Neuem konfrontiert. Das betrifft etwa die eigenständige Gestaltung des Studienplans oder die Auswahl der passenden Fachliteratur aus der juristischen Bücherschwemme. Die Fachbegriffe musste ich mir ebenfalls erst aneignen. Eine spezielle Schwierigkeit bei den Rechtswissenschaften ist, die einzelnen Teile unseres Rechtssystems zu verstehen, bevor man sich mit dem Gesamtsystem beschäftigt hat. Hier greift vieles ineinander, was für das Verständnis wichtig ist. Die ersten Semester empfand ich deshalb als die schwierigsten.

Wie haben Sie die Phase bewältigt?

Ich habe diese Punkte als Herausforderung betrachtet. Dabei helfen eine gewisse Gelassenheit und die Bereitschaft, beharrlich an einer bestimmten Materie zu arbeiten. Und das Interesse am Recht muss natürlich vorhanden sein – ohne würde es schwierig.

Sie haben soeben Ihr Referendariat begonnen…

Heute war die Vereidigung zum Beamten auf Widerruf, mit dem Stoff geht es dann morgen los.

Welche Schwerpunkte möchten Sie im Referendariat setzen?
Im Referendariat möchte ich zunächst die Pflichtstationen nutzen, um herauszufinden, welche Rechtsgebiete mir in der Praxis am besten liegen. Die prozessrechtlichen Fragestellungen haben in der Praxis zum Beispiel ein höheres Gewicht als in der juristischen Ausbildung an der Universität. Ich habe aber eine Präferenz für das Zivilrecht, speziell aus der Perspektive des Anwalts.

Das ist auch Ihr berufliches Ziel?

Ja, der Schwerpunkt Anwaltschaft ist bislang mein Favorit. Diese Sichtweise war ja auch der Beweggrund, ein rechtswissenschaftliches Studium aufzunehmen. Die Entscheidung möchte ich aber noch offenhalten, um im Referendariat herausfinden zu können, was mir am besten liegt.

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)