Mäßig im Chemieunterricht – top in der Ausbildung zum Chemikanten und im Studium Verfahrenstechnik

Torsten Janke absolvierte nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Chemikanten und bildete sich anschließend zum Staatlich geprüften Chemietechniker weiter. Nach mehr als fünfzehnjähriger Berufserfahrung, zuletzt als Schichtleiter, begann er an der Hochschule Anhalt ein berufsbegleitendes Studium der Verfahrenstechnik. Das Studium schloss er im März 2015 erfolgreich als Bachelor of Engineering ab. In dem internationalen Chemiekonzern in Schkopau bei Halle, in dem Torsten Janke bereits seine Ausbildung absolviert hatte, arbeitet er heute als Ingenieur in der Produktionsplanung.

Herr Janke, war Chemie schon immer Ihr Lieblingsfach?
Ursprünglich überhaupt nicht. Ich hatte mich eigentlich als Anlagenmechaniker beworben. Diese Ausbildungsplätze waren bei dem Chemieunternehmen, bei dem ich heute noch arbeite, jedoch alle schon belegt. Ich habe dann das Angebot angenommen, die Ausbildung zum Chemikanten zu beginnen – obwohl Chemie in der Schule nicht mein Lieblingsfach war und nicht zu meinen Stärken zählte.

Trotzdem haben Sie zugesagt?
Ja, nach kurzer Überlegung. Ich war froh einen Ausbildungsplatz zu haben. Die Ausbildung war dann so gut, dass ich den Stoff nach kurzer Zeit nachgeholt hatte. Ich war sogar der Beste in der Abschlussprüfung und der Drittbeste im Kammerbezirk und habe dafür von der IHK ein Weiterbildungsstipendium erhalten. Das habe ich für zwei Intensivsprachkurse in Englisch genutzt. Im Nachhinein war ich froh, mich für diesen Beruf entschieden zu haben.

Sie hatten bereits 15 Jahre Berufserfahrung, als Sie Ihr Studium der Verfahrenstechnik begannen. Wie kam es zu dem Entschluss?
Ich wollte mit spätestens 40 den Schichtdienst verlassen. Eine Weiterbildung zum Chemietechniker hatte ich bereits absolviert. Ich wusste aber auch, dass meine Aufstiegschancen im Unternehmen mit einem Studium besser sein würden.

War das Aufstiegsstipendium eine Hilfe?

Von meinem Arbeitgeber konnte ich keine finanzielle Unterstützung erwarten, da hatte ich vorher gefragt. Studieren wollte ich aber auf jeden Fall, zur Not auch ohne Förderung. Es war ja ein berufsbegleitendes Studium. Aber vor allem gegen Ende des Studiums, als wir unser zweites Kind bekamen, war das Stipendium eine große Unterstützung. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Wie haben Sie vom Aufstiegsstipendium erfahren?

Ich habe nach einer Förderung recherchiert, die zu meiner Situation passte. In einem Sonderheft der Stiftung Warentest bin ich dabei auf das damals noch neue Aufstiegsstipendium gestoßen. Ich habe mich beworben, und es hat alles geklappt. Zum Auswahlgespräch in Ismaning habe ich sogar meine Familie mitgenommen.

Eben hat sich schon eines Ihrer Kinder gemeldet. Wie haben Sie es geschafft, Studium, Beruf und Familie miteinander zu verbinden?
Das war nicht immer leicht. Es funktioniert nur, wenn man Prioritäten setzt und diese auch mal kurzfristig ändert, je nachdem, wo es gerade besonders drängt. Meine Kollegen haben mir auch manchmal den Rücken freigehalten, damit ich für das Studium lernen konnte.

Wie empfanden Sie den Start ins Studium?

Am Anfang war es sehr ungewohnt, weil ich erst wieder meinen Lernrhythmus finden musste. Bei der ersten Klausur hatte ich einen richtigen Blackout und war kurz davor, alles hinzuschmeißen. Nach einer Stunde der anderthalbstündigen Klausur hatte ich noch gar nichts geschrieben. Dann machte es aber Klick und in der letzten halben Stunde konnte ich alles ausrechnen und niederschreiben. Das hat noch für eine gute Zwei gereicht. Deshalb habe ich die nächste Klausur wohl zu leicht genommen und sie nur knapp bestanden. Das Studium hatte einige Höhen und Tiefen, bis ich die Findungsphase abgeschlossen und ein konstantes Niveau erreicht hatte.

Wie haben Sie sich motiviert?
Mit zwei Kommilitonen habe ich eine Lerngruppe gebildet. Ansonsten waren immer die vorgegebenen Termine meine Motivation und ich habe nie welche aufgeschoben. Das war ein Ziel, das ich mir gesetzt hatte. Das letzte Semester war dann noch einmal hart, weil ich mich parallel zur Bachelor-Arbeit auf die letzten Klausuren vorbereiten musste. Das Studium wollte ich unbedingt in der Regelstudienzeit schaffen, auch weil dann das Stipendium auslief. Dazu kam der Druck, dass mein Arbeitgeber mir schon eine Ingenieur-Stelle angeboten hatte und ich ihn nicht enttäuschen wollte.

Die Ingenieur-Stelle haben Sie bekommen?
Ja, sie war ausgeschrieben worden, als ich noch studierte. Ich bewarb mich intern und konnte schon zwei Monate vor Ende meines Studiums auf der neuen Position beginnen.

Welche neuen Aufgaben haben Sie dort?
Ich arbeite jetzt sozusagen auf der anderen Seite der Anlage. Es handelt sich um eine große Produktionsanlage für Polyethylenterephthalat, kurz PET. Das ist der Kunststoff aus dem Plastikflaschen gemacht werden. Vorher musste ich die Anlage eher am Laufen halten und kleinere Probleme lösen, heute geht es um die Produktionsplanung und die externe Kommunikation, auch international.

Was sind Ihre weiteren Pläne?
Einige Kollegen unken zwar, dass ich noch höher hinauswolle, aber eigentlich bin ich beruflich jetzt da, wo ich hinwollte. Später ist vielleicht der Master eine Option. Aber jetzt haben erst einmal die neue Aufgabe und die Familie Vorrang.

 


(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)