„Berufstätigkeit und Weiterbildung: eine gute Grundlage für das Studium“

Foto Christoph Gnoth

Christoph Gnoth absolvierte nach der Mittleren Reife eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme. Später bildete er sich in einer vierjährigen berufsbegleitenden Weiterbildung an der Ludwig-Geißler-Schule in Hanau zum Staatlich geprüften Techniker (Fachrichtung Elektrotechnik, Schwerpunkt Energietechnik und Prozessautomatisierung) weiter. Mit dem Techniker-Abschluss erlangte er auch die Fachhochschulreife. Wenige Monate nach der erfolgreichen Aufstiegsfortbildung begann Christoph Gnoth am Campus Friedberg der Technischen Hochschule Mittelhessen das Bachelor-Studium Technische Informatik. Das Studium schloss er mit der Gesamtnote 1,4 ab. Nun startet sein Master-Studium an der TU München.

Herr Gnoth, nach der Mittleren Reife absolvierten Sie eine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme. Was ist der Schwerpunkt dieser Fachrichtung?
Die Arbeit ist ein bisschen feiner als etwa beim Betriebselektroniker, es geht zum Beispiel auch ums Löten und die Messtechnik. Es stehen die Schaltungstechnik, der Aufbau von Platinen und die Bauteiltechnik im Vordergrund.

Wo haben Sie die Ausbildung gemacht?
Ursprünglich wollte ich eine Ausbildung zum Informatiker machen. Als das nicht funktionierte, habe ich eine Ausbildungsstelle zum Elektroniker gesucht. Angefangen habe ich dann in der Niederlassung eines großen amerikanischen Elektronikkonzerns in Maintal.

Konnten Sie nach der Ausbildung in dem Unternehmen bleiben?
Ja, aber nach der Ausbildung gab es dort immer nur einen zunächst auf ein Jahr befristeten Vertrag. Ich bewarb mich deshalb recht bald nach der Ausbildung bei anderen Firmen und fand eine Stelle bei einem mittelständischen Unternehmen in Hanau. Die Firma baut Elementaranalysatoren, mit denen sich zum Beispiel der Gehalt von Kohlenstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Sauerstoff oder Chlor von Materialien bestimmen lässt. Der Vorteil an dem mittelständischen Unternehmen war, dass ich dort mehr selbst organisieren musste und selbstständiger arbeiten konnte. Ich bin vier Jahre dort geblieben.

In dieser Zeit haben Sie sich auch zum Staatlich geprüften Techniker weitergebildet.

Ja, ich hatte schon während der Ausbildung gemerkt, dass ich gerne weiterlernen wollte, um später einer abwechslungsreichen Arbeit nachgehen zu können. Mit mir machten zwei frühere Auszubildende aus meinem Lehrjahr die Weiterbildung zum Techniker.

Mit der erfolgreichen Weiterbildung hatten Sie auch die FH-Reife erlangt. War das für Sie der Anstoß zu studieren?

In der Techniker-Weiterbildung habe ich mehr programmiert als im Beruf. Dabei habe ich gemerkt, dass ich das weiterhin intensiver machen und später stärker in den Bereich Entwicklung gehen wollte. Dafür hat man mit einem Studium einfach bessere Voraussetzungen. Nach dem zweiten Jahr in der Techniker-Weiterbildung und dann mit der FH-Reife nach dem Abschluss war mir klar, dass ich auch studieren wollte.

Wie kamen Sie auf den Studiengang Technische Informatik?
Elektrotechnik machte mir ja weiter Spaß und ich wollte mehr in die Richtung Embedded Programming und hardwarenahe Programmierung gehen. Die Bereiche deckt eher die Technische Informatik ab. Das Studium teilte sich auf je 50 Prozent E-Technik und Informatik auf. Da ich den Techniker-Abschluss schon hatte, war es für mich eine logische Fortführung.

Wie war der Start ins Studium?
Da ich das Studium direkt nach der Techniker-Weiterbildung begann, ging das recht gut. Wenn zwei oder drei Jahre dazwischen gelegen hätten, wäre es wahrscheinlich schwieriger gewesen. Der Lernaufwand war an der Hochschule natürlich höher. Man muss halt rechtzeitig vor den Klausur anfangen zu lernen und genügend Zeit investieren, dann klappt das. Zu Beginn des Studiums hatte ich an Brückenkursen teilgenommen, die die TH in Mathematik und Physik anbot, um hier fachlich reinzukommen

Sie hatten Ihr Studium bereits begonnen, als Sie die Zusage für das Aufstiegsstipendium erhielten. Wie hatten Sie vom Stipendium erfahren?

Als ich nach dem passenden Studiengang recherchierte hörte ich im Radio einen Beitrag zum Thema Stipendien. Dort ging es darum, dass viele sich nicht für geeignet für ein Stipendium halten, obwohl es viele verschiedene Möglichkeiten gibt. Daraufhin habe ich mich im Internet gezielt über Stipendien informiert und bin dabei auf das Aufstiegsstipendium gestoßen. Das passte perfekt auf mich, ich habe mich beworben und es hat geklappt.

Wie sehr hat das Stipendium Ihnen das Studium erleichtert?

Studiert hätte ich auf jeden Fall. Während der Techniker-Weiterbildung war ich voll berufstätig und hatte einige Rücklagen angespart. Ohne das Stipendium hätte ich aber auch während des Studiums arbeiten müssen. Dann hätte ich länger und wohl auch mit schlechteren Noten studiert.

Konnten Sie Angebote aus der ideellen Förderung wahrnehmen?
Ich habe an einem Bewerbungstraining der SBB teilgenommen. Das hat mir sehr viel gebracht, weil ich überhaupt nicht auf Stand war, wie man Bewerbungsschreiben verfasst und in Vorstellungsgesprächen auftritt.

Ihr Studium haben Sie erfolgreich abgeschlossen. Was sind Ihre weiteren Pläne?

Ich habe mich an der TU München für den Master-Studiengang „Robotics, Cognition, Intelligence“ eingeschrieben. Ich würde später gerne in der Automobilbranche arbeiten. Dort wird es in Zukunft im Bereich des autonomen Fahrens Bedarf an intelligenten und selbstlernenden Systemen geben. Dafür bietet der Master-Studiengang die richtigen Inhalte.

Wenn Sie auf Ihre Entwicklung zurückblicken: Was würden Sie Berufstätigen raten, die überlegen, ein Studium zu beginnen?
Das hängt von der Motivation ab: Nur zu studieren, weil man in einer neuen Position oder in einer anderen Branche mehr Geld verdienen kann, wird nach hinten losgehen. Aber wenn man begeistert von einem Fach ist und sich dort weiterentwickeln möchte, um später eine tolle, abwechslungsreiche Arbeit zu haben – dann schafft man das Studium auch. Direkt nach der Ausbildung hätte ich es aber kaum bewältigt. Berufstätigkeit und Weiterbildung waren eine gute Grundlage für das Studium.

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)