„Ich war an der Hochschule nie Einzelkämpfer“

Nach zehn Jahren als Landschaftsgärtner und Gärtnermeister begann Benedikt Filmar ein Bachelor-Studium im Landschaftsbau und schloss ein Master-Studium im Bauingenieurwesen an – beides gefördert durch das Aufstiegsstipendium. Im Interview erzählt er, was ihn an den Studiengängen reizte und welche Projekte er als Bauingenieur künftig betreuen möchte.

Nach Ihrer Mittleren Reife haben Sie eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner begonnen. Was hatte Ihnen an dem handwerklichen Beruf gefallen?
Ich war schon immer gerne in der Natur und mir hatten handwerkliche Tätigkeiten immer Spaß gemacht. Außerdem reizte mich, große Baumaschinen zu bedienen. Das konnte ich in dem Beruf alles verbinden. Im neunten Schuljahr konnte ich ein dreiwöchiges Schülerpraktikum in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb machen. Mit meiner ersten Bewerbung bekam ich dann gleich meine Ausbildungsstelle bei der Stadt Hagen.

Entsprach die Ausbildung dann Ihren Vorstellungen?
Ja, die Ausbildung war sehr hochwertig. Wir waren 15 Azubis mit drei Betreuern und hatten unsere eigenen Projekte. Es standen also wirklich die Auszubildenden im Mittelpunkt. Nach der Ausbildung erhielt ich einen unbefristeten Vertrag und arbeitete insgesamt weitere dreieinhalb Jahre in dem Bereich, unterbrochen von der neunmonatigen Bundeswehrzeit. Anschließend begann ich eine Weiterbildung zum Gärtnermeister.

Mit welchem Ziel?
Ich hatte die wirklich gute Ausbildung zum Landschaftsgärtner, anschließend waren die Qualifikationen aber nur noch wenig gefragt, weil ich hauptsächlich in der Grünpflege beschäftigt war. Das ist leider in vielen Kommunen der Fall. Unser Amtsleiter bot dann einer Kollegin die Meisterausbildung an, die das Angebot aber nicht wahrnehmen konnte. Zwei Tage später meldete ich mich beim Amtsleiter und teilte ihm mit, dass ich die Weiterbildung gerne absolvieren würde. Er war einverstanden und ich ging für ein Jahr zur Fachschule für Gartenbau in Essen. Anschließend kehrte ich zunächst auf meine alte Stelle zurück, wechselte dann den Pflegebezirk und wurde dort zwei Jahre lang angelernt, bis ich die Stelle des damaligen Bezirksleiters übernehmen konnte, der in Rente ging.

Wann begannen Sie, über ein Studium nachzudenken?
Eigentlich hatte ich ein Studium immer ausgeschlossen. Für die Landschaftsarchitektur, die infrage gekommen wäre, fehlte mir das zeichnerische und kreative Vermögen. Das war einfach nicht meins. Als Gärtnermeister hatte ich aber schnell Aufgaben übernommen, die nicht mehr meiner Position entsprachen, ohne dass ich entsprechend aufsteigen konnte. Dafür fehlten mir die formellen Qualifikationen. Als dann eine Studienpraktikantin, die Landschaftsbau studierte, in meinem Pflegebezirk ein Praxissemester absolvierte und eine Seminararbeit darüber schrieb, interessierte mich das sehr. Im Landschaftsbau stehen mehr die Bauleitung und das Baumanagement im Vordergrund, also alles, was größtenteils nach der Planung stattfindet. Ich schaute mir die Hochschule Ostwestfalen-Lippe, an der die Praktikantin studierte, und eine andere Hochschule an, besuchte die Fachmesse ‚GaLaBau‘ in Nürnberg, um mich weiter zu informieren, und entschied mich schließlich für das Landschaftsbau-Studium an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe am Campus in Höxter. Ich hatte das Glück, dass mein Arbeitgeber mich für das Studium unbezahlt freistellte. Ich musste für das Studium also nicht meine Stelle kündigen.

Wie wollten Sie das Studium finanzieren?
Meine Eltern hätten versucht, mich zu unterstützen, so gut es ging, und ich hätte verschiedene Nebentätigkeiten aufgenommen. Durch meinen Bruder und einen engen Freund hörte ich dann zum ersten Mal vom Aufstiegsstipendium. Mein Bruder war Krankenpfleger und studierte Medizin. Er konnte nicht gefördert werden, weil seine Berufserfahrung noch nicht ausreichte, hatte sich aber bereits über das Stipendium informiert. Mein Freund war bereits Stipendiat des Aufstiegsstipendiums. Meine Ausbildungsnoten hätten für eine Bewerbung nicht ausgereicht, aber ich konnte mich mit einem begründeten Vorschlag meines Chefs bewerben und wurde in das Aufstiegsstipendium aufgenommen. Die Atmosphäre bei den Auswahlgesprächen war so angenehm, dass ich später als Stipendiat selbst einmal dabei geholfen habe, um den Kandidaten die Nervosität zu nehmen.

Wie verlief Ihr Start ins Studium?
Der Start war sehr aufregend, es gab viel Neues für mich, allein das war motivierend. Ich profitierte aber auch von meiner Berufserfahrung und den Grundlagen aus der Meister-Weiterbildung. Dadurch hatte ich in vielen Bereichen schon einen Vorsprung. Sehr geholfen hat mir auch, mich in verschiedenen Gremien wie der Fachschaft und einer Qualitätskommission zu engagieren. Dadurch kam ich früh in Kontakt zu Kommilitonen aus höheren Semestern, von denen ich mir einiges abschauen konnte. Gerade am Anfang konnte mich außerdem meine Frau sehr unterstützen, etwa wenn es um Lerntechniken und wissenschaftliches Schreiben ging. Sie hat ein Lehramtsstudium absolviert.

Und die Prüfungen?
Ich bildete mit zwei Meistern in meinem Alter, die ebenfalls Landschaftsbau studierten, eine Lerngruppe. Wir waren ein eingespieltes Team und führten auch unsere Ausarbeitungen zusammen aus. Ich war also an der Hochschule nie Einzelkämpfer und hatte von Anfang an sehr gute Noten. Das Bachelor-Studium konnte ich mit der Gesamtnote 1,4 abschließen.

Wie wichtig war die Förderung durch das Aufstiegsstipendium?
Ich konnte viel Zeit in mein Studium investieren, die ich sonst für die Finanzierung des Studiums hätte aufbringen müssen. Auch die ideelle Förderung durch das Aufstiegsstipendium hat mir geholfen. Seminare zu Präsentationstechniken oder zum wissenschaftlichem Schreiben und der Austausch in den Ortsgruppen haben sehr dazu beigetragen, dass mein Studium so gut lief. Kurse zu Themen wie Gesprächsführung oder Prozessimplementierung kommen mir heute auch beruflich zugute. Während des anschließenden Master-Studiums erhielt ich nach einer gesonderten Bewerbung eine Weiterförderung durch das Stipendium.

Im Master haben Sie Bauingenieurwesen studiert. Wo war da die inhaltliche Brücke zum Landschaftsbau?
Ein zweisemestriges Master-Studium in Landschaftsarchitektur wäre der einfachste Weg gewesen, zumal für eine Amtsleiterstelle im öffentlichen Dienst ein Master Voraussetzung ist. Ich wollte aber gerne neue Impulse aus einem anderen Bereich bekommen und erfuhr von dem dreisemestrigen Master-Studiengang Bauingenieurwesen mit der Vertiefungsrichtung Baubetrieb und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen. Gerade der Bereich Baumanagement hatte mich immer sehr interessiert und wurde in dem Master-Studiengang vertieft. Außerdem werden im Landschaftsbau viele Inhalte aus dem Bauingenieurwesen abgeleitet. So konnte ich die Themen noch einmal an der Quelle bearbeiten. Dazu kam, dass ich mit dem Studium einen Universitätsabschluss erlangte, der für viele höhere Leitungsstellen noch gefordert wird. Den Abschluss hatte ich dann mit der Note 1,7.

Wie ging es nach dem Master-Studium für Sie weiter?
Ich ging zurück zur Stadt Hagen und startete auf einer Ingenieurstelle im Bereich Freiraumplanung und Landschaftsbau. Für die neue Stelle hätte allerdings auch der Bachelor-Abschluss gereicht. Ich hatte gehofft, auch meine Qualifikationen aus dem Master-Studium einbringen zu können, etwa in den Bereichen nachhaltige Stadtteilentwicklung oder digitales Bauen, das auch Thema meiner Master-Arbeit war. Ich wollte nicht jahrelang warten, bis möglicherweise eine Führungsstelle frei wird und sprach unter anderem mit einem meiner Professoren aus Höxter, der gerade ein Ingenieurbüro für Baubetrieb eröffnet hatte und Mitarbeiter suchte. Deshalb habe ich nun nach 18 Jahren bei der Stadt gekündigt und werde in Kürze die Stelle wechseln. Das fiel mir zwar schwer, aber in dem neuen Ingenieurbüro habe ich die Chance, bauliche Großprojekte und Infrastrukturprojekte baubetrieblich zu begleiten. Das entspricht komplett den Inhalten aus meinem Master-Studium, dazu in einem neuen jungen Team. Darauf freue ich mich sehr.

Interview: Heinz Peter Krieger