Krankenpfleger studiert Pflegemanagement: „Das Studium durchzuhalten, hat sich auf jeden Fall gelohnt“

Peter Lüdemann arbeitete als Synchron-Aufnahmeleiter in der Filmbranche, als er sich zu einer zweiten Ausbildung entschloss und Krankenpfleger wurde – mit einem Abschluss von 1,3. Nach verschiedenen Weiterbildungen wurde er Stationsleiter und pflegerischer Centrumsleiter an der Berliner Charité. Ab 2011 studierte er, gefördert durch das Aufstiegsstipendium, Pflegemanagement im Diplom-Studiengang an der Hamburger Fernhochschule (HFH). 2017 schloss Peter Lüdemann das berufsbegleitende Studium nach einer Unterbrechung erfolgreich ab. Seit Februar 2018 arbeitet der Diplom-Pflegewirt als pflegerischer Abteilungsleiter im St. Joseph Krankenhaus in Berlin-Tempelhof.


Herr Lüdemann, Sie arbeiteten als Aufnahmeleiter in der Filmproduktion, bevor Sie Ihre Ausbildung zum Krankenpfleger begannen. Ging es in der Pflege spannender zu als beim Film?
Beim Film zu arbeiten, war ein Kindheitstraum von mir. In Berlin wuchs ich in der Nähe der Union-Filmstudios auf. Vor meinem Abitur bewarb ich mich dort um einen Ausbildungsstelle als Synchron-Aufnahmeleiter und konnte die Ausbildung nach meinem Zivildienst antreten. Während des Zivildienstes im St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof hatte ich aber auch Gefallen am Pflegeberuf gefunden. Nach zweieinhalb Jahren als Aufnahmeleiter merkte ich, dass mir etwas fehlte. Deshalb begann ich im selben Krankenhaus die zweite Ausbildung als Krankenpfleger.

Wussten Sie durch Ihren Zivildienst, was Sie im Pflegeberuf erwartet?

Es ist etwas anderes, selbst für die Patienten verantwortlich zu sein, mit denen man umgeht. Ich war auch überrascht über die Intensität der Pflegeausbildung, gerade in den Bereichen Anatomie und Physiologie. Die Entscheidung für die Pflege war aber absolut richtig und ich bin nach wie vor mit ganzem Herzen dabei. Nach der Ausbildung arbeitete ich gut vier Jahre als Krankenpfleger im Bereich Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Diabetologie.

Sie erhielten das Weiterbildungsstipendium. Wie konnten Sie die Förderung nutzen?

Den Tipp für das Stipendium erhielt ich von einer Lehrerin an der Pflegeschule des Krankenhauses. Zuerst qualifizierte ich mich zum Qualitätsbeauftragten in der Pflege, weil ich gerne das ganze System des Qualitätsmanagements verstehen wollte. Mein großer Wunsch war aber, Praxisanleiter zu werden. Diese Weiterbildung absolvierte ich, nachdem ich die dafür erforderlichen zwei Jahre Praxiserfahrung in der Pflege hatte sammeln können. Die dritte Weiterbildung, die ich mit dem Weiterbildungsstipendium finanzieren konnte, war die zum Stationsleiter.

Wie ging es beruflich weiter?
Während der dritten Weiterbildung wechselte ich zur Charité. Dort sollte ich eigentlich Stationsleiter werden, mir wurde dann aber eine freigewordene Position in der Centrumsleitung angeboten. Dort war ich zunächst verantwortlich für das Qualitätsmanagement und wurde dann für vier Jahre stellvertretender Centrumsleiter. Das war sehr reizvoll, weil die Centren der Charité schon die Größe mittelgroßer Krankenhäuser haben. In der Zeit habe ich extrem viel gelernt. Ohne die vorherigen Weiterbildungen wäre das gar nicht möglich gewesen.

Wann entschieden Sie sich zu studieren?

Ich hatte das Gefühl, noch mehr Basiswissen zu benötigen, und es war unser zweites Kind unterwegs. Deshalb überlegte ich, wie ich mich beruflich weiter orientieren wollte, und dachte auch über ein Studium nach. Durch das Weiterbildungsstipendium hatte ich Kontakt zur SBB und kannte das Aufstiegsstipendium, was die Entscheidung für ein Studium erleichterte. Ich bewarb mich, wurde zum Auswahlgespräch eingeladen und erhielt die Förderung. Ich wollte aber auf jeden Fall studieren und hatte mich gleichzeitig über geeignete Studiengänge informiert. Ich entschied mich für den Studiengang Pflegemanagement an der Hamburger Fernhochschule.

Warum studierten Sie in einem Fernstudium?
Parallel zu meinen Studienüberlegungen hatte ich beruflich den nächsten Schritt gemacht und die Pflegedienstleitung in einem kleineren Krankenhaus, der Havelklinik in Berlin-Spandau, übernommen. Dann kam unser zweites Kind zur Welt und ich wollte weiterarbeiten, um den Familienunterhalt sichern zu können. Familie, Beruf und Studium ließen sich eigentlich nur mit einem Fernstudium vereinbaren.

Wie waren Selbststudium und Präsenzphasen organisiert?
Von der HFH erhielt ich zu Beginn des Studiums ein großes Paket mit Studienbriefen, die die Studierenden durcharbeiten mussten. Ich dachte, das sei der Stoff für das erste Jahr, er reichte aber gerade für ein halbes (lacht). Im Studienzentrum der Fernhochschule in Potsdam wurden Präsenzphasen angeboten, in denen die Teilnehmer Fragen stellen und über den Stoff diskutieren konnten. Am Ende des Studiums war ich jedoch nur noch zu den Klausuren im Studienzentrum.

Wie konnten Sie Berufstätigkeit und Fernstudium unter einen Hut bringen?
Es ist natürlich anstrengend zu lernen, wenn man abends müde von der Arbeit kommt. Aber meine Motivation war, es für mich selbst zu schaffen. Die Klausuren habe ich innerhalb der Regelstudienzeit geschafft. Schwieriger wurde es mit den letzten Hausarbeiten und der Diplomarbeit.

Welche Schwierigkeiten hatten Sie?
Die Termine für die Klausuren waren vorgegeben und fest getaktet. Bei den Hausarbeiten hatte ich die Themen auch schon im Hinterkopf. Aber es fiel mir schwer, selbst dranzubleiben, zumal ich in dieser Zeit noch einmal meinen Arbeitgeber wechselte und zur Charité zurückkehrte. Dort hatte ich als Pflegerischer Centrumsleiter neue Aufgaben und Projekte und schob die Diplomarbeit zunächst auf. Dazu kam, dass der Professor, den ich für die Betreuung der Diplomarbeit ausgewählt hatte, erkrankte. Kritisch wurde es, als der Diplomstudiengang 2017 auslief. Ich suchte mir ein neues Thema für die Diplomarbeit und eine Professorin als Prüferin und schaffte es gerade noch, das Studium rechtzeitig abzuschließen.

Wie war in dieser Zeit der Kontakt zur SBB?
Der SBB hatte ich vorab mitgeteilt, dass ich das Studium nicht in der Regelstudienzeit beenden würde. Natürlich meldete ich mich auch, als ich das Studium beendet hatte. Das war aber schon nach Ende des Förderzeitraums.

Konnten Sie beruflich schon von dem Studium profitieren?
Für mich schloss sich der Kreis, als ich Anfang 2018 vom St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof ein Angebot für eine Stelle als Pflegerischer Abteilungsleiter erhielt. Ein Studium ist an dem Krankenhaus Voraussetzung für diese Position. Ich kehrte also in die Klinik zurück, in der ich meinen Zivildienst und die Ausbildung absolviert hatte. Auch in der Charité wäre erwartet worden, dass ich das Studium nachhole, wenn ich dort Pflegerischer Centrumsleiter geblieben wäre. Das Studium durchzuhalten, hat sich also auf jeden Fall gelohnt – auch bei etwas längerer Studiendauer.

(Das Interview führte Heinz Peter Krieger)